TV-Kolumne
Nilz zappt (6)

Statt Fernsehen und Heimkino: Nilz Bokelberg in Action auf der 62. Berlinale. Zum Durchdrehen!

Die Stadt dreht komplett am Rad! Die Menschen laufen in den verrücktesten Aufzügen herum! Menschen sind aus aller Welt gekommen, um bei dem bunten Treiben dabei zu sein und ja, auch der ein oder andere bekannte Star mischt sich unter’s Volk. Das ist wirklich immer toll. Aber bevor ich noch weiter über Karneval in Köln schwärme, kommen wir zu einem anderen Fest: Berlinale.

Ich bin ja dieses Jahr zum zweiten Mal dabei, weil ich drüben bei den Filmfreunden wieder einen mehr oder weniger täglichen Videopodcast mache, dessen Hauptmerkmal es ist, dass ich die Filme sofort nachdem ich aus dem Kino komme bespreche. Manchmal denke ich dann auch nach zwei, drei Tagen: „Hm, eigentlich ganz schöner Quatsch, den ich da geredet habe“, aber erstens kommt das zum Glück nicht oft vor und zweitens gehört sich zu irren bei so einer Art Berichterstattung eben auch fest dazu.

Und ja, diese zehn Tage Festival sind „Living The Dream“: Jeden Tag von Kino zu Kino rennen um irgendwelche Filme zu sehen, die man im Zweifelsfall sonst niemals zu Gesicht bekommt – das ist schon toll. Ehrlich. Auch wenn immer viel prätentiöser Käse dabei ist. Egal. Diese Tage im Februar kann man sich darauf einlassen und die Perlen suchen und rausfischen. Weil, wenn man dann einen Film für sich entdeckt hat, dann ist man total froh den gesehen zu haben. So wie ich – was ich auch schon an anderer Stelle erwähnte – letztes Jahr den grossartigen „Bombay Beach“ sah, der es hier irgendwie nicht ins Kino geschafft hat. Zu Unrecht. Ein toller Film, den man mittlerweile im amerikanischen iTunes-Store kaufen kann. Ja, richtig, nur im amerikanischen. Kotz.

Was mich nervt: Schweigen. Ich meine, wer hat diesen Filmemachern irgendwann einmal gesagt, das „Schweigen“ so unglaublich intensiv sei, dass sie es in ausnahmslos jedem Film so breit wälzen müssen? Meine Theorie ist ja, das die Angst haben Dialoge zu schreiben, denn in dem Fall ist schweigen immer noch besser, als ein wirklich schlecht geschriebener Dialog. Aber ich habe ein Patentrezept: Schreibt gute Dialoge! Arsch hoch!

Nilz BokelbergBerlinale-Berichterstattung im Fernsehen ist auch immer ein interessanter Versuch, Hochkultur zu simulieren. Hier in Deutschland tut man sich ja unheimlich schwer, einfach zuzugeben es geil zu finden, wenn Hollywoodstars am Potsdamer Platz auftauchen. Deswegen muss man immer so tun, als ob die Filme, die auf der Berlinale ihre Premiere feiern, was ganz Besonderes seien. Letztes Jahr zum Beispiel zeigten sie „Der große Crash (Margin Call)“, ein Film über die Finanzkrise. Der wurde hier “außer Konkurrenz” aufgeführt, damit Kevin Spacey auf die Berlinale kommt. In den Kultursendungen hat man sich dann aber allen Ernstes mit dem Film auseinandergesetzt, der wirklich ein Stück unanguckbares BWL-Studenten-Kino war. Aber über diesen Umweg durfte man sich dann auch offiziell freuen, dass Spacey in Berlin war. Und im Sat.1-Frühstücksfernsehen hat vermutlich wieder dieser Giftzwerg gewütet. Kennen Sie den? So ein Mann von Maffay-Format, der da immer für die Kinokritiken zuständig ist und alles verreisst, was er nicht versteht (also eigentlich alles). Der ist lustig. Anfangs habe ich noch den Fehler gemacht, den ernst zu nehmen. Aber wenn man dann dahinter gekommen ist, dass der gar nicht weiß, was er da redet, ist es echt spaßig.

Auf der Berlinale hab ich den auf jeden Fall noch nicht gesehen. Warum auch? Hat ja mit Kino nicht viel am Hut, der gute Mann. Ich bleibe noch bis Freitag hier und dann ab nach Köln. Sie wissen schon: das andere Fest. In diesem Sinne: Alaaf Ihr Jecke!

____________________

Nilz Bokelberg (35) ist Moderator, Autor, Netz- und Fernsehjunkie und bloggt unter anderem für unsere Fünf Filmfreunde. Achso, bei Twitter ist Nilz auch.

Ähnliche Artikel
 1 2 3 4
Nilz zappt (19)
Keine Punchlines, kein Humor, keine Pointen: Nilz Bokelberg stichelt gegen seinen Ex-Konkurrenten…

Keine Atempause
EM-Kader, Relegation und DFB-Pokal-Finale: Ganz schön was los in Fußball-Deutschland nach Ende…

Nilz zappt (18)
Zwei TV-Momente der vergangenen Woche, die in ein Worst-Case-Szenario münden: Nach „Ich kann…

Abschied mit Céline Dion
Auch wenn die Gewinner der Saison schon feststanden: Überraschungen, Tränen und Verlierer gab…

Nilz zappt (17)
Nanu, liebe Zuschauer: FC Bayern München in der Fernsehkolumne? Nilz Bokelberg dribbelt locker…

Das Märchen vom unpolitischen Sport
Die Bundesliga ist in trockenen Tüchern, aber die bevorstehende EM in der Ukraine noch lange…

Ähnliche Galerien
Keine passenden Galerien gefunden