Fußball-Fan-Kolumne 'Fast wie im richtigen Leben'
Totgesagte leben länger

Die Bayern mit ihrer „Mia san mia“-Attitüde sind ein bisschen wie Gorillas, findet unser Fußball-Kolumnist. Bauen sich auf und bekommen die meisten Bananen und Weibchen ab.

Ja, so läuft’s im Fußball: Gerade noch totgesagt, respektive totgeschrieben, schon meldeten sich die Münchener Bayern am Samstag mit Hurrafußball und einem 7:1 gegen Hoffenheim zurück. Passend dazu schwächelten die Dortmunder beim 0:0 beim Aufsteiger in Augsburg. Der Titelkampf bleibt doch spannend. Doch das hatten wir Fachleute an den Stammtischen schon länger prophezeit, denn dass Dortmunds Siegesserie irgendwann reißen würde und die Bayern fußballerisch mehr drauf haben, als sie bisher zeigten, war einfach logisch.

Geld schießt zwar keine Tore, die Spieler aber, die man kaufen kann, sehr wohl. Bei Bayern zeigt sich jetzt, dass die Königskinder Ribéry und Robben doch noch miteinander können und Mario Gomez wohl seine kurze Torflaute überwunden hat. Und Bastians Schweinsteigers Rückkehr – er durfte beim 7:1 schon mal für 30 Minuten ran – wird die Mannschaft zusätzlich stabilisieren. Es sieht also gut aus fürs Champions League-Spiel, die Bayernfans sangen beim 7:0 bereits: „Who the fuck is Barcelona?“ Doch der FC Basel, der am Dienstag mit einem 1:0-Vorsprung vom Hinspiel in der Arena antritt, ist ein anderer Gegner als Hoffenheim, Manchester United kann ein trauriges Lied davon singen.

Gary Lineker

Spielte nie bei Bayern München, sollte trotzdem recht behalten: Gary Lineker, hier im Halbfinalspiel 1990 gegen Deutschland. Das die Engländer verloren. (Imago)

Mal ehrlich, gegen die schwachen Hoffenheimer hatten die Münchener leichtes Spiel, über 60 Prozent Ballbesitz, 24 Torschüsse. Ab dem 1:0 in der fünften Minute durften die Bayern zeigen, wie gut sie Fußball spielen können, wenn man sie lässt. Einige Bayern-Hasser in meinem Bekanntenkreis vermuten übrigens Wettbewerbsverzerrung, weil TSG-Coach und Ex-Bayer Markus Babbel hinterher sagte: „Wir waren ein wunderbarer Aufbaugegner. Wenn‘s hilft, dass Bayern Meister wird, soll‘s mir recht sein.“ Doch was bleibt einem Trainer nach einer solchen Klatsche denn schon anderes übrig als Sarkasmus?

Vielleicht erklärt sich, was da am Samstag in München mit Hoffenheim passiert ist, wenn man Gary Linekers legendäres Zitat über die deutsche Nationalmannschaft etwas umwandelt: „Fußball ist ein einfaches Spiel; 22 Spielern rennen hinter einem Ball her und am Ende gewinnen die Bayern.“ Das kennt man schon lange in der Bundesliga. „Furor Bavaricus“ nennt sich das Phänomen unter Sportpsychologen und heißt schlicht: Der FC Bayern braucht nur aufzulaufen und schon haben Gegner wie die Hoffenheimer die Hosen voll. Man kennt Ähnliches aus der Verhaltensbiologie. Der Gorilla, der sich am imposantesten vor den anderen in die Brust wirft, vertreibt seine Gegner kampflos und kriegt deshalb auch die meisten Bananen und Weibchen ab.

Bei den Bayern baut man darauf. „Mia san mia“ heißt das Motto, mit dem man sich in München vor den Gegnern aufbaut – es steht sogar goldgestickt im Kragen des aktuellen Trikots. Auf einer knapp zwei Meter hohen Tafel prangt es auch in der Geschäftsstelle in der Säbener Straße –Selbstbewusstsein durch schlichte Autosuggestion. Das „Mia san mia“ klang in den letzten Wochen eher trotzig als selbstsicher, wird aber vermutlich bald wieder zum lauten Brusttrommeln anschwellen. Vor allem, wenn die Bayern gegen Basel die nächste Champions League-Runde erreichen. Und dann müssen sich die anderen Bundesligavereine wirklich noch auf etwas gefasst machen.

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