TV-Kolumne
Nilz zappt (11)

Als ob er das nicht vorher gewusst hätte: Nilz Bokelberg hat sich eine Folge der siebten Staffel “Germany’s Next Topmodel” angesehen. Das platte Product Placement entlarvte sogar seine Tochter.

Letzten Donnerstag durfte ich mal wieder “Germany’s Next Topmodel” gucken. Und es ist schon eine unglaublich bescheuerte Show. Dass damit geworben wird, dass die Gewinnerin einen Werbevertrag mit einem Kühlregal-Cafelatte-Hersteller bekommt, darüber musste selbst meine zehnjährige Tochter lachen. Und diese inszenierte Werbung, die da immer stattfindet, die tut mir wirklich in der Seele weh. Dieses Mal sind die Kandidatinnen in ihrer Villa in Los Angeles angekommen, was sie erstmal nur zum Kreischen brachte. Alle. Permanent. Dann haben sie noch ihre Geschenke entdeckt, wie zum Beispiel der vollausgestattete Schminktisch des Kosmetikherstellers und eine Uhr für jedes Mädchen von diesem Uhrenhersteller. So weit, so okay. Das hatte was davon, jemandem beim Auspacken seines Goodie Bags zuzugucken.

Aber dann kam die schlimme Stelle: Zwei der Mädchen (wovon eine auch nur als beliebter ZackdieBohne-Trottel in der Sendung ist) kamen in ein Zimmer, in dem reihenweise Schuhe standen und die Schränke voller neuer Klamotten waren. Als die beiden Juroren den Mädchen dann sagten, dass diese Sachen umsonst wären, brach die inszenierte Hölle los. Die anderen Mädchen kamen alle hinzu. Und dann: kreischen, Arme vollladen, „glücklich“ sein, Schlachtfeld hinterlassen. Am Ende standen die Juroren im abgegrasten Raum, wo fast nur noch leere Kartons kreuz und quer rumlagen, natürlich fett mit dem Sponsorennamen gebrandet, hoben einen leeren Bügel hoch – ebenfalls gebrandet – und sagten schulterzuckend so was wie: „Ach naja, Frauen halt.“

GNTM 2012

Auf diesem Bild ist ein Produkt versteckt: GNTM-Juroren Heidi Klum, Thomas Hayo und Thomas Rath vor der Arbeit. (© ProSieben/Oliver S.)

Über diesen selbst für “Topmodel”-Verhältnisse recht platten Sexismus im Juroren-Fazit hinaus heißt das: Die Firma, die diese Aktion gesponsort hat, will sehen, wie die Mädchen wegen ihren Produkten kreischen. Und kriegt genau das. Die Produktionsfirma will in erster Linie Geld mit dem Format machen, an allen Ecken und Enden. Und kriegt genau das. Selbst wenn sie dafür das letzte Stückchen Glaubwürdigkeit verspielt (ich weiss, mit „Glaubwürdigkeit“ in einem Model-Format zu argumentieren ist dünnes Eis, man kann stattdessen auch „Credibility“ sagen, wenn einem das mehr liegt). Egal. Noch ein Sponsor rein und noch mehr Mädels kreischen lassen. Und das ist alles noch der inoffizielle Werbeteil der Sendung. Die Shootings, die dann stattfinden, arbeiten ja dann noch mal offensichtlich mit Marken. Vielleicht irre ich mich und das Format war schon immer so schlimm zugeballert. Ich meine mich aber erinnern zu können, dass man am Anfang noch so ein paar Skrupel übrig hatte. Mittlerweile fühle ich mich bei “Germany’s Next Topmodel” mehr und schlimmerer Werbung ausgesetzt, als in den Werbeblöcken dazwischen. Und darum würde ich mein Produkt da nicht gerne beworben sehen. Aber: that’s just me.

Nilz BokelbergEs gab übrigens auch noch etwas Lustiges in der Sendung. Als Challenge sollten die Mädchen sich in einem Auto schminken, das von einem Rennfahrer wild über einen Parcours gelenkt wurde. Das war wirklich unterhaltsam, oder wie die Amerikaner so schön sagen: good, clean fun. GNTM wäre bestimmt eine unterhaltsame Sendung, wenn die Verantwortlichen nur wollten. Aber wenn Raffgier Fernsehen macht, dann bekommt man halt eine “Bravo”, die so tun will als wäre sie eine “Vogue”. Schade drum. Heidi, ich habe heute leider kein Foto für dich.

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Nilz Bokelberg (35) ist Moderator, Autor, Netz- und Fernsehjunkie und bloggt unter anderem für unsere Fünf Filmfreunde. Achso, bei Twitter ist Nilz auch.

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