TV Kolumne
Nilz zappt (13)

Nur nicht zu schnell K.o. gehen, liebe Zuschauer: Nilz Bokelberg wacht am Ende einer langen Fernsehnacht erst richtig auf.

Samstag Abend. Pro Sieben hat ein Format übernommen, das anscheinend sogar RTL mittlerweile zu unangenehm war (und das will schon echt was heißen) und zum großen „Promiboxen“ eingeladen.

Jay haut Martin. (Pro7/Willi Weber)

Jay haut Martin. (Pro7/Willi Weber)

Der erste Kampf war Martin „Angel of Berlin“ Kesici gegen Jay „Jay Khan“ Khan. Schon im Einspielfilmchen wurden die Sympathien ganz klar verteilt: „Echter“ Rocker gegen Boygroup-Männchen. Nun hatte vor allem Jay Khan seit seinem eher peinlichen Auftritt im Dschungelcamp vermutlich eh keine großen Probleme mehr mit zu hohen Sympathiewerten. Denn dort kam er als berechnend-arroganter Typ rüber. Und dieses Image ist er offensichtlich nicht mehr los geworden. Zumindest buhte die ganze Halle, als er einmarschierte.

Der Kampf war lahm. Kesici, fit wie ein Pantoffel, ächzte sich über die Runden. Khan war besser trainiert, hatte dem allem aber nicht wirklich was entgegenzusetzen. Was auch daran lag, dass er die ganze Zeit so fair wie möglich kämpfen wollte. Offensichtlich will der auf jeden Fall weg vom „Arsch der Nation“-Image. So funktioniert das aber irgendwie nicht. Wirkt eher so ein bisschen einschleimend. Nun ja. Khan hat den Kampf klar nach Punkten gewonnen. Ein Glück, wenn man jetzt noch nicht eingeschlafen war.

Daniel drischt Nico. (Pro7/Willi Weber)

Daniel drischt Nico. (Pro7/Willi Weber)

Als nächstes kämpfte Daniel „Taff“ Aminati gegen Nico „Das angebliche Model mit dem lustigen Namen“ Schwanz. Der trainierte Daniel hatte leichtes Spiel mit dem offensichtlich noch nie trainiert habenden Nico. Schwanz’ Trainer warf dann auch das Handtuch, sonst hätte der erstaunlich gut und kompromisslos boxende Klatschmoderator dessen Schützling noch ungespitzt in den Boden gerammt. Ist aber auch eher langweilig einem guten Boxer dabei zuzusehen, wie er einen Sandsack besiegt. Ein Glück, wenn man jetzt noch nicht eingeschlafen war.

Indira versucht Micaela zu kloppen. (Pro7/Willi Weber)

Indira versucht Micaela zu kloppen. (Pro7/Willi Weber)

Dann der heimliche Hauptfight des Abends: Indira „Khans Dschungelcamp-Freundin“ Weiß gegen Micaela „Huch, ich habe ja Brüste!“ Schäfer. Dem Kampf voraus ging ein vollkommen übertriebener Zickenkrieg, in dem sich die beiden Protagonistinnen via Fernsehen und Zeitung so Sprüche wie „Wenn ich mit dir fertig bin, musst du dein Silikon neu ordnen!“ und als Replik „Pass mal lieber auf das Silikon in deinem Gesicht auf!“ zukommen ließen. Fast so natürlich wie die Figuren aus der Augsburger Puppenkiste. Der Kampf war sehr skurril, denn Micaela hat kaum trainiert, Indira recht viel und dennoch hatten beide keine Ahnung, was sie da eigentlich tun. Das war etwas peinlich und fremdschämig. Weil das mit Boxen ungefähr so viel zu tun hatte, wie mein Tanzen mit Ballet. Nach dem Kampf haben beide auch sofort in das Mikro geplärrt, das ja alles nur Spaß gewesen sei und man vielleicht sogar noch Freundinnen werden könne. Meine Güte, wer berät diese Menschen immer nur so schlecht? Ein Glück, wenn man jetzt noch nicht eingeschlafen war.

Zum Abschluss dann Lars „Diskuswerfer“ Riedel gegen Evil Jared „Bloodhound Gang-Bassist“ Hasselhoff. Lustig war auf jeden Fall schon mal, dass die Experten, die dem Moderator die ganze Zeit zur Seite standen, nämlich Axel Schulz und Dr. Christine Theiss (diese sehr hübsche Kickboxweltmeisterin), letzteren permanent als „Äwwill“ ausgesprochen haben. Das hätte man denen ja schon mal sagen können. Der Kampf war verhältnismäßig spannend, weil die beiden eben so Schwergewichte sind. Da sieht man einfach, wie viel Punch hinter den Schlägen steckt. Hasselhoff hat dann auch noch überraschend gewonnen. Da war man fast versöhnt mit dem Abend. Fast. Denn als ich danach rumzappte, landete ich auf der ARD, wo gerade echtes Boxen lief. Und hatte damit den direkten Vergleich, was den Sport eigentlich ausmacht. Das war ein ultrafesselnder Zwölf-Runden-Kampf. Und diesmal stimmte es wirklich: Ein Glück, wenn man jetzt noch nicht eingeschlafen war.

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Nilz Bokelberg (35) ist Moderator, Autor, Netz- und Fernsehjunkie und bloggt unter anderem für unsere Fünf Filmfreunde. Achso, bei Twitter ist Nilz auch.

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