Fußball-Fan-Kolumne 'Fast wie im richtigen Leben'
Der große Showdown

Es steht ein riesengroßer Fußballabend ins Haus – zumindest, wenn man unserem Kolumnisten und seinen Lieblingsgazetten Glauben schenkt.

Wenn Sie auch nur im Entferntesten an der Zukunft des deutschen Fußballs interessiert sind, dann halten sie sich unbedingt den Mittwochabend frei. Ungeheuerliches wird in Dortmund ab 20 Uhr passieren, wenn man den zahlreichen Ankündigungen in Funk, Fernsehen, Online und Print glauben darf, denn bereits am 29. Spieltag wird sensationeller Weise die deutsche Fußballmeisterschaft entschieden. „Noch zwei Tage bis zum Showdown! Bayern und BVB heiß“ verkündet n-tv. Den „Kampf der Liga-Giganten“ prophezeit die „Kölnische Rundschau“, der „Hessisch-Niedersächsische Anzeiger“ wittert gar den „deutschen Clásico“ und vergleicht die Bundesligakonkurrenten mit Real Madrid und dem FC Barcelona.

Komisch, denn eigentlich spielt am Mittwoch nur der Tabellenerste gegen den Tabellenzweiten. Wenn Dortmund gewinnt, haben die Westfalen sechs Punkte Vorsprung, wenn Bayern gewinnt, ziehen die Münchener gleich und führen knapp, dank ihrer besseren Tordifferenz. Danach sind aber auch noch vier Spieltage zu spielen, an denen beide Mannschaften bis zu zwölf Punkte gewinnen oder verlieren können. Das wissen alle, die rechnen können. Dennoch spielen auch die beiden Vereine mit und stoßen ins mediale Horn: Von einem „Giganten-Gipfel“ träumt Bayernchef K.-H. Rummenigge, Manager Christian Nerlinger prophezeit den „Titelendspurt“ seiner Mannschaft und BVB-Geschäftsführer Hans Joachim Watzke kontert via „Bild“, die „Psychostrategien“ der Münchener seien wirkungslos: „Unsere Spieler lachen sich darüber kaputt.“

Klopp und Heynckes

Kurbelten die Wirtschaft bisher noch immer an: Showdown-Spiele wie die von Kloppos Dortmundern gegen Heynckes' Bayern (Imago)

Klar, verglichen mit den Propagandagefechten der Neunziger zwischen Bremens Willi Lemke und Bayerns Uli Hoeneß erscheinen solche Dispute zwar wie kalter Kaffee, aber vermutlich kommt erst morgen in München die „Abteilung Attacke“ zum Einsatz. Und Bayernpräsident Uli Hoeneß wird per dann „Bild“ oder „Kicker“ Richtung BVB schießen, alles andere wäre enttäuschend (nicht nur für die Medien). Und Watzke, Klopp und Co. werden den Fehdehandschuh wieder leicht arrogant ignorieren (und so die Münchener bewusst noch mehr provozieren). Ernstnehmen muss man das alles übrigens nicht, trommeln gehört zum Bundesligahandwerk.

Denn den Propagandisten geht es am Mittwoch um hohe Einschaltquoten, nicht zuletzt für den schwächelnden Bezahlsender Sky, der live überträgt. Mit seinen Sportsendungen konnte Murdochs Kanal im Jahr 2011 gerade mal 0,6 Prozent des bundesdeutschen Fernsehmarktes abdecken. Nicht gerade viel für die 250 Millionen Euro, die der Sender für die Übertragungsrechte an die DFL zahlen muss. Dazu steht demnächst die Saison 2013/2014 zur Auktion, daran beteiligt sich nun auch die Deutsche Telekom. Gut für die Liga, die wohl mehr verdienen wird, schlecht für die Sky-Aktie, die vergangene Woche wieder Verluste machte. Auch nicht zu vergessen: Die Werbeeinnahmen bei solchen Spitzenspielen sind entsprechend hoch. Gute Verkäufe und hohe Einschaltquoten am Mittwoch können den Börsenkurs schnell wieder steigen lassen. Das bringt kurzfristig Geld für Sky, langfristig mehr Einnahmen für die DFL und somit auch wieder für die Vereine, allen voran den Spitzenverdienern FC Bayern und Borussia Dortmund.

So oder so: Es wird spannend am Mittwochabend. Mein persönlicher Tipp: Gehen Sie in eine nette Fußballkneipe. Gucken Sie Sky – die Werbung gleich mit. Und trinken Sie am besten ein, zwei Bier mehr – egal auf welche Mannschaft. Das ist auf jeden Fall gut für die Wirtschaft.

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