TV-Kolumne
Nilz zappt (16)

Gottschalk, Schmidt, Kerkeling, Jauch: Im deutschen Abendfernsehen muss doch noch was gehen, findet Nilz Bokelberg. Und hat einen illustren Vorschlag zu machen.

Ich habe Fernsehen ja schon immer geliebt. Bereits als Kind war ich totaler Fernsehjunkie und habe mich gefreut, wenn ich wieder was gucken durfte. Etwas Superbesonderes war es damals, wenn in Berlin Funkausstellung war. Das bedeutete schon früh am Nachmittag volles und tolles Programm, live von der IFA. Da haben dann Jauch und Gottschalk gemeinsam moderiert. Das war Fernsehen der absoluten Glückseligkeit. Wie die Beiden sich die ganze Zeit freundschaftlich kabbelten und versuchten, sich durch eine tägliche, chaotische Live-Show vor Publikum zu manövrieren. Dazu bekamen sie Gäste, die sie vielleicht nicht unbedingt wollten, die aber gerade eben da waren und deshalb zum Interview schnell auf die Bühne geschoben wurden. Das waren wirklich Sternstunden, weil beide in diesem Nonsens-Programm zur absoluten Hochform aufliefen. Die Sendung hieß „Die Zwei im Zweiten“. Auf dem Ersten sendete man die tägliche Funkausstellungssendung mit Hape Kerkeling und Harald Schmidt. Zu Beginn der IFA war man traurig, dass diese bald wieder vorbei sein würde und mit ihr diese fantastische, tägliche Unterhaltung.

Schmidt, Gottschalk

Haben gemeinsam schon immer eine gute Figur gemacht: Harald Schmidt und Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass..?!" am 1. Mai 1994 (imago/teutopress)

Heute: Der eine von „Die Zwei im Zweiten“ moderiert jeden Sonntag Abend seine Polittalkshow, die mit einfallsloser Themenwahl besticht, schlimmer Akustik, unheimeliger Atmosphäre und latentem Desinteresse an einer wirklichen Diskussion. Es ist Sonntag Abend, was soll man sich da auch noch aufregen. Schwer genug am Montag wieder aufzustehen. Der Andere ist gerade mit seiner täglichen Talkshow gescheitert, die nicht funktionierte, weil niemand so genau wusste, was man da jetzt eigentlich machen will. Von den damaligen ARD-Recken ist der Eine nun erfolgreicher Musical-Produzent („Kein Pardon“ wurde gerade bis Dezember verlängert), der Andere darf sich im Mai von seiner Show auf Sat.1 verabschieden.

Und jetzt die Rechnung: Die beiden erfolgreichen Typen ziehen wir ab, die brauchen sich und uns nicht. Die haben ja Erfolg. Also Jauch und Kerkeling raus aus der Gleichung. Dann die alte mathematische Regel „Minus und Minus ergibt Plus“ rausgekramt und die Lösung liegt auf der Hand: Wir brauchen eine Show, am besten täglich, die von Gottschalk und Schmidt zusammen moderiert wird! Das kleine Sender-Problem müssen wir noch ausmerzen (Schmidt wird sicher kein gern gesehener Gast bei der ARD sein – Gottschalk bei Sat.1 aber auch nicht…), aber dann kann es losgehen. Ein tägliches Format, das ebenso viele Gemeinschafts- wie Solo-Parts für jeden der Beiden hat. Und dazwischen ein Moderator, der noch die jungen Menschen mitnimmt und der für Beide gleichermaßen Sidekick sein kann. Vielleicht auch eine Frau. Ich bin ja großer Fan von Frau Bauerfeind, aber die wäre wohl zu Schmidt-lastig. Engelke mag Beide gern, wäre aber – Achtung, jetzt wird’s leicht uncharmant – schon etwas zu alt für die „Rolle“. Und vielleicht auch schon zu sehr „eigene Marke“. Vielleicht Palina Rojinski? Das wäre auf jeden Fall eine richtige Richtung.

Nilz BokelbergAuch auf die Gefahr hin, dass mein Fernseher vor Vorfreude explodieren würde. Dass die hoch gesteckten Erwartungen auf keinen Fall erfüllt würden. Und dass die zu große Vorbereitungsunlust (Gottschalk) oder Feuilletonsucht (Schmidt), das Ganze inhaltlich gefährden würde: Ich könnte mir kaum etwas Awesomeres vorstellen. Dazu müsste man noch mal den Hunger in den Beiden wecken. Und das deutsche Fernsehen müsste den Mut beweisen, auch gutes Fernsehen machen zu wollen. Aber dann: Bäm! Titel der Sendung: „Toto und Harry“. Ne, Moment. „Gottschalk und Schmidt“. Schon besser. Fantastische, tägliche Unterhaltung. Wie zu besten IFA-Zeiten.

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Nilz Bokelberg (35) ist Moderator, Autor, Netz- und Fernsehjunkie und bloggt unter anderem für unsere Fünf Filmfreunde. Achso, und bei Twitter ist Nilz auch.

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