Fußball-Fan-Kolumne 'Fast wie im richtigen Leben'
Abschied mit Céline Dion

Auch wenn die Gewinner der Saison schon feststanden: Überraschungen, Tränen und Verlierer gab es am letzten Spieltag der Bundesliga-Saison dennoch. Unserem Kolumnisten halfen singende Kinder und Céline Dion.

Lukas Podolski

Nein, der weint nicht wegen Céline Dion: Lukas Podolski beim Abstiegsspiel des 1. FC Köln und seinem Abschied nach London (Imago)

Es ist kaum zu glauben: Den letzten Spieltag hätte ich fast verpasst, ohne ein einziges Tor zu sehen. Nicht gut für jemanden, der sich selbst als Fußballfan bezeichnet und auch noch darüber schreiben darf. Aber für das ganze Geschehen konnte ich nichts und, mal ganz ehrlich, der letzte Spieltag war doch sowieso schon abgehakt: Dortmund ist Meister, Bayern und Schalke spielen Championsleague, Gladbach definitiv in der Qualifikationsrunde.

Auch zu den Absteigern war alles gesagt, mein Lieblingslauternfan wollte schon gar nichts mehr von der Bundesliga hören. Vermutlich hatte sie deshalb so leichtsinnig zugesagt, dass wir am Samstagabend zum Schulkonzert unserer zwölfjährigen Patentochter kommen würden. Als sie mich am Freitag daran erinnerte, rollte ich zwar mit den Augen, sagte aber nichts, weil die Liebste momentan vernünftigen Argumenten – „letzter Spieltag!“, „Sportschaugucken ist ein Muss!“, „Ich habe schließlich Chronistenpflicht!“ –nicht gerade zugänglich ist.

Die Spiele in der Kneipe sehen konnte ich leider nicht, die Arbeit drückte. Immerhin konnte ich die zweite Hälfte der Radiokonferenz hören. Und es wurde sogar nochmal spannend: Köln verlor zwar erwartungsgemäß gegen Bayern, aber Hertha kämpfte gegen Hoffenheim und sicherte sich mit einem 3:1 die Chance auf die Relegation, ich hätte keinen müden Cent darauf gewettet. Schön auch zu hören, dass Dortmund das Spiel weiterhin ernst nahm und Freiburg deutlich mit 4:0 ablederte. Stuttgart schoss Wolfsburg aus der Europaleague und Huntelaar holte sich mit 29 Treffern die Torjägerkanone, weil Bayerns Gomez diesmal nicht traf. Subjektiv gesehen ein durchaus zufriedenstellender Spieltag.

Als dann Punkt 19 Uhr das Schulkonzert begann, hatte ich noch kein einziges Tor gesehen und war etwas angefressen. Doch die Musik in der alten Kirche war sehr ergreifend, die Kids spielten Bach, Beethoven und sogar Beatles. Die Eltern und wir waren eminent stolz auf unsere Kleine, die sehr konzentriert mitgeigte. Tosender Applaus nach der „Titanic“-Zugabe, bei Céline Dions Schnulze „My Heart Will Go On“ hatte nicht nur die Liebste Tränen in den Augen. Vielleicht dachte sie ja an die verlorene Saison.

Ein nettes Abendessen und ein paar Gläser Wein später – weit nach Mitternacht – sah ich dann zuhause ganz allein die Wiederholung des „Aktuellen Sportstudio“ auf „3Sat“ und endlich alle Tore: das rettende von Herthas Raffael zum 3:1, das coole von Robert Lewandowski zum 2:0 für den BVB, das ausgefuchste mit der Hacke zum 4:1 vom Bayernspieler Thomas Müller. Ein bisschen wehmütig wurde mir klar, dass die Bundesligasaison nun endgültig vorbei war.

Dann kam die Szene des Spieltages: Rauch verdunkelte die Kölner Kurve, wo einige vermummte Idioten randalierten. Ein Ordner lotste Lukas Podolski in Richtung Kabine, der sich bei seinem Abschiedsspiel nicht bei seinen Fans verabschieden durfte, weil es zu gefährlich gewesen wäre. Unendlich enttäuscht verließ Podolski das Stadion. Der Mann tat mir in diesem Moment unendlich leid. „You‘re safe in my heart and my heart will go on and on“ hörte ich Céline Dion plötzlich singen und bekam feuchte Augen. Aber das musste wohl am Wein liegen.

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