Fußball-Fan-Kolumne 'Fast wie im richtigen Leben'
Keine Atempause

EM-Kader, Relegation und DFB-Pokal-Finale: Ganz schön was los in Fußball-Deutschland nach Ende der Bundesliga-Saison. Der Fan freut sich.

Das war ja wieder die volle Fußballwoche, und das trotz Bundesliga-Pause. Am Montag, Punkt 12.30 Uhr, verkündete Bundestrainer Joachim Löw bereits den vorläufigen Kader für die Europameisterschaft. Bis auf die Nominierung von zwei Neulingen, dem Gladbacher Torwart Marc-André ter Stegen und dem Schalker Julian Draxler, war es wenig überraschend. Genug Gesprächsthemen jedoch für unseren Fußballstammtisch im Büro, vor allem der Kollegen, deren Lieblingsspieler mal wieder nicht dabei sind. Ich kann Jogi Löw aber verstehen: Nach der miesen Vorstellung gegen Frankreich im Februar und der katastrophalen HSV-Saison würde ich Dennis Aogo auch nicht mitnehmen.

BVB

So sehen also Sieger aus: Roman Weidenfeller, Sebastian Kehl und Mats Hummels mit Schale, Pokal und Entourage (Bild: Imago)

Am Mittwochabend: Europa-League-Finale. Atlético Madrid gegen Athletic Bilbao, wo der „ziemlich gutaussehende“ Falcao (O-Ton meiner Freundin), zwei „ziemlich geniale Tore“ (ich) erzielte. Später las ich, dass der Kolumbianer den sehr schönen Vornamen Radamel trägt und sein Wechsel vom FC Porto 40 Millionen Euro gekostet hat, die sich das hochverschuldete Atlético Madrid leihen musste, nachdem es gerade 42 Millionen Euro Schulden zurückgezahlt hatte. Spanische Verhältnisse also auch in der Primera Division.

Der Donnerstag war zwei Solidaritätsaktionen gewidmet: Zum einen besuchten wir zu viert die portugiesische Weinverkostung eines Freundes und sorgten durch unsere Bestellungen für eine Verringerung des Außenhandelsdefizites des ebenfalls finanzschwachen Portugals. Zum zweiten begleiteten wir hinterher – zum Glück leicht angeschickert – den einzigen Herthafan unter uns in seine Stammkneipe, wo wir seinem Verein beim Versagen im Relegationsspiel gegen Fortuna Düsseldorf zusehen durften.

Am Abend danach kam ich dann endlich dazu, in die Steffen-Effenberg-Biografie von 2003 hineinzulesen, die ich für 50 Cent auf dem Schnäppchentisch gefunden habe. „Ich habe es allen gezeigt“, heißt der Wälzer mit den pseudoerotischen Pärchen-Fotos von Effe und Claudia, geschiedene Strunz. An dem Mann werden wir noch viel Spaß haben, denn der „Tiger“ hat gerade seinen Trainerschein gemacht und ganz selbstbewusst verkündet, dass er Bundesligacoach werden will. Leise Töne sind eben nicht so sein Ding. Vor Beginn der Rückrunde im Januar hat er als „Sky-Experte“ dem FC Bayern einen glatten Durchmarsch in der Liga prophezeit: „Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, dann wird der FC Bayern die Meisterschaft gewinnen.“

Und Recht hatte er, der „Experte“: Mit außergewöhnlichen 81 Punkten und 80 Toren holte Borussia Dortmund die Schale. Dass dieser Rekord kein Zufall war, bewiesen die Westfalen dann auch am Samstag beim deutlichen 5:2-Sieg im DFB-Pokalfinale gegen die Bayern. Berlin leuchtete schwarzgelb, die ebenfalls außergewöhnlichen BVB-Fans bejubelten das Double nicht nur im Berliner Olympiastadion, sondern auch 18.000-Mann-hoch in der dortigen Waldbühne beim Public Viewing. Und zeigten den erfolgsentwöhnten einheimischen Fans auch noch, wie man richtig feiert: Bis zum hellen Sonntagmorgen waren zumeist friedliche Partypeople in grellen Klamotten in der Hauptstadt unterwegs. Das allerdings kennen die Berliner noch von früher, da nannte man es Love Parade.

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