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TV-Kolumne Nilz zappt (22)
von Nilz Bokelberg am 5. Juni 2012
Detlef Hartlap ist nicht cool, Denis Scheck sehr wohl: Nilz singt heute ein Loblied auf das gedruckte Wort – oder zumindest auf einen Mann, der darüber spricht. ![]() Nein, das ist nicht der "Prisma"-Chefredakteur: Denis Scheck, wegen seiner Liebe zum Sujet der vielleicht unterhaltsamste aller Literaturkritiker (© ARD/WDR/Herby Sachs) Als ich klein war, da hatten wir als Fernsehzeitschrift die „Prisma“, weil die jeden Freitag der Zeitung beilag, die meine Eltern sowieso abonniert hatten. Ich gebe zu ein wenig neidisch auf die Haushalte gewesen zu sein, die zum Beispiel die „HÖRZU“ regelmässig auf dem Couchtisch liegen hatten. Die war immer so dick und bunt und mit Kinderseite oder so. Da schien Fernsehen ein riesiger Blumenstrauß zu sein. Die „Prisma“ hingegen zeigte einfach sehr nüchtern und klar das Programm an, täglich mit einem Bild aus dem jeweiligen Programmhighlight. Die Beschreibungen beschränkten sich auf’s Wesentliche. Eingangs war immer ein zweiseitiger Artikel, der möglichst wenig mit Fernsehen zu tun haben sollte (Wärmedämmung des Hauses oder so), am Ende gab es das Schachspiel der Woche und einen Kurzkrimi, wenn ich mich recht entsinne. Und ohne Ende Treppenlift-Werbung. Und trotzdem habe ich sie geliebt, weil ich jeden Freitagmorgen am Frühstückstisch vor Schulbeginn genau gucken konnte, auf was ich mich in der kommenden Woche freuen konnte. Und weil das kommende Fernsehprogramm zu kennen natürlich ein unglaublicher Experten-Bonus auf dem Schulhof war. Redete ich mir zumindest ein. Wer mich fragte was denn kommenden Dienstag zu sehen wäre, dem konnte ich genauestens Auskunft erteilen. Hach, Fernsehen. Heute hingegen gucke ich in keine Programmzeitschrift mehr (vor allem nicht in die „Prisma“, denn ihr Chefredakteur hat ein etwas seltsames Verhältnis zur „modernen Welt“…). Immer nur noch zappen und gucken wo man hängenbleibt. Okay, manchmal gucke ich im Internet auf der Seite einer Programmzeitschrift nach, wann etwas Bestimmtes läuft, aber ansonsten: planloses Fernsehen. Und wenn ich etwas sehe, was ich gut finde und wissen will, was das ist: Videotext. Somit ist es auch immer wieder überraschend für mich, wenn eine meiner Lieblingssendungen läuft, die ich eigentlich nie verpassen will. Aber, da es sich ja eben um eine Herzenssendung handelt, ist die Freude dann natürlich immer groß über so einen gelungenen Wochenausklang. Die Rede ist von „Druckfrisch“ mit Denis Scheck. Eine super Sendung, auf die mit Sicherheit schon tausende elaborierte Lobreden geschrieben und gehalten wurden und jede von denen mit Recht. Wie die das immer schaffen, Literatur in Szene zu setzen, zu visualisieren, greifbar zu machen, ohne großen Aufwand – oder zumindest kaum spürbaren Aufwand – das ist wirklich allerbestes Fernsehen. Scheck führt unaufgeregt und gerade deshalb wahnsinnig Und ich werde mir vermutlich bis ans Ende der ARD nicht merken können, wann das immer läuft. ____________________ Nilz Bokelberg (35) ist Moderator, Autor, Netz- und Fernsehjunkie und bloggt unter anderem für unsere Fünf Filmfreunde. Achso, und bei Twitter ist Nilz auch. Ähnliche Artikel Borussia Dortmund hatte ein großes letztes Ziel in dieser Bundesliga-Saison: Die TSG Hoffenheim… Cascada for last! Nilz Bokelberg erhofft sich für Deutschland eine pädagogisch wertvolle… Martin Freund begibt sich auf die Spuren von King Henry VIII. und seiner Vielweiberei. Mit dabei… Kannst du bitte mal nach dem Rechten sehen? Das schaffst du doch mit links! Frédéric Valin… Ähnliche Galerien Keine passenden Galerien gefunden
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