EM-Kolumne
Jede Menge Spaßmacher

Ein lieber Scholli, ukrainische Balljungen und Protestplakate: Was in den vergangenen Tagen bei der Fußball-EM 2012 in und aus Polen und der Ukraine zu sehen war – und was nicht.

Löw / Youtube

Gleich ist der Ball weg - und das Bild auch: Jogi Löw und ein ukrainischer Balljunge, vor dem Spiel (Screenshot: YouTube)

Viel schiefgehen kann ja am Sonntag nicht mehr. Sechs Punkte und kein Gegentor für die deutsche Nationalelf, das ist wohl die beste Voraussetzung, um Gruppenerster zu werden. Der Vorteil: Die kommenden Spiele würden nahe am deutschen Quartier in Danzig stattfinden. Das Wetter im polnischen Norden ist etwas angenehmer, nicht so heiß. Zudem spart man sich lästige Flugstunden. So gesehen hat Manager Oliver Bierhoff mal wieder alles richtig gemacht, als er vorzeitig das Hotel Dwor Oliwski im Danziger Süden buchte.

Alles richtig gemacht hat auch Mario Gomez: Zwei Klasse-Tore gegen die Niederlande. Und mehr bewegt hat er sich in diesem Spiel auch. Nach der hier bereits zitierten Schelte von ARD-Experte Mehmet Scholl über Gomez‘ mangelnde Ausnutzung des Spielfelds beim Portugalspiel legte sich der Bayernstürmer diesmal mächtig ins Zeug. Kritiker Scholl kriegte diesmal dafür das Fett ab: „Mehmet Scholl, morgen live aus Canossa!“, twitterte das Fußballmagazin „11 Freunde“ nach dem Match. Und die „Bildzeitung“ titelte ihr euphorisches Lob auf den Torjäger mit der Überschrift: „Mein lieber Scholli!“ Tja, so ist das Geschäft. Falls der Spaßvogel Scholl seine rotzige Kritik als Motivation gedacht hat, hat sie jedenfalls funktioniert. Vielleicht sollte er sich in seiner nächsten Kritik mal Lukas Podolski vorknöpfen. Da wäre ja – vor allem nach vorne – noch jede Menge Potential.

Als Spaßvogel zeigte sich auch der Bundestrainer, als er einem ukrainischen Balljungen die Pille unterm Arm rausschubste. Man freute sich, wie locker Löw in der ersten Halbzeit war. Das Peinliche aber: Die Szene war schon während dem Warmmachen passiert und die Firma, die für die Uefa die Fernsehbilder produziert, hat die Szene einfach ins laufende Geschehen der 22. Minute reingeschnitten. Wenn man genau hinsieht: die Uhr läuft weiter.

Heraus kam das, weil Löw es selbst im Interview erzählte, den Zwischenschnitt hatte er ja nicht mitbekommen. Hochnotpeinlich und symptomatisch für den Umgang der Uefa mit den Fernsehbildern. Andererseits wird das, was dem Fußballverband nicht passt, auch nicht gezeigt. Weder die unerwünschten Pyrofeuerwerke, noch der kroatische Flitzer, der beim Spiel gegen Irland Coach Slaven Bilic abknutschte, waren im Fernsehen zu sehen. Ebenso wenig, wie die Protestplakate gegen die ukrainische Regierung, welche die beiden grünen Europaabgeordneten Rebecca Harms und Werner Schulz auf der V.I.P.-Tribüne beim Spiel Deutschland gegen Niederlande hochhielten. Kommentator Béla Réthy sprach zwar drüber, Bilder gab es aber keine.

In Ägypten oder in China würde man das als Zensur bezeichnen. Oder wenigstens als Versuch der Volksverdummung. Wäre die Regie wirklich schlau gewesen, hätte sie lieber kurz die Plakate gezeigt und dann gleich auf die Titten-Cam umschalten sollen, vergessen ist so was schnell. Die Uefa weiß ja schließlich, was uns Fußballfans wirklich interessiert. Ein Tipp: Freibier würde auch helfen.

Am Sonntag jedenfalls schlagen „wir“ die Dänen, so sympathisch sie und ihre Fans auch bei dieser Europameisterschaft daherkommen. Schließlich hat das Bastian Schweinsteiger seinem völlig demoralisierten Ex-Bayernkollegen Marc Van Bommel nach dem Match am Mittwoch versprochen. Ist doch Ehrensache.

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