EM-Kolumne
Böse Zeichen

Von Bumm Bumm-Fußball, Erlösungen und Verhexungen: Vor dem Viertelfinalspiel gegen Griechenland wittert unser Kolumnist Böses.

Schlichter kann man es nicht sagen. „Bumm, Bumm, Bender!“, titelt die „Bild“. Und es ist aus Fanperspektive ein ziemliches Glück, dass Lars Bender dann doch noch in der 80. Minute das 2:1 gegen die Dänen schoss. Nicht weil das Tor glücklich war, das war ganz im Gegenteil gut herausgespielt und vom Boateng-Vertreter selbst eingeleitet. Sondern weil die Republik mal wieder kollektiv am deutschen Fußball litt, darunter 450.000 schwarz-rot-goldene Menschen auf der Berliner Fanmeile und bestimmt ebenso viele in den restlichen Bars und Biergärten des Landes. Benders Treffer löste dann ein ebenso kollektives Durchatmen aus. Interessant übrigens, wie schnell im sportlichen Kontext in den Medien das Wort „erlösen“ verwendet wird.

Kennen Sie nicht, den jungen Mann rechts im Bild? Das ist Lars Bender, unser neuer Erlöser, wenn man einigen Medien Glauben schenkt (Foto: imago)

Kennen Sie nicht, den jungen Mann rechts im Bild? Das ist Lars Bender. Sehen so Erlöser aus? (Foto: imago)

Grund zu zittern war da. Hätten die überraschend starken Dänen tatsächlich gewonnen, wäre Deutschland aus dem Turnier draußen gewesen. Weil schwache Niederländer gegen Portugal unterlagen. Vor acht Jahren, bei der EM 2004, musste die DFB-Elf nach einer schwachen Vorstellung vorzeitig aus Portugal zurückfliegen. Ich persönlich kann mich noch sehr gut daran erinnern, denn das Tor zum 2:1 der Tschechen von Milan Baros im letzten Gruppenspiel hatte mir damals den Sardinien-Urlaub verhagelt. Nur ich durfte nicht nach Hause und musste mir weiter den Spott der italienischen Pizzeriabetreiber anhören, wo wir immer Fußball guckten. Die beiden deutschen Verteidiger, die den tschechischen Stürmer damals laufen ließen, sind in meinem Bekanntenkreis heute noch Synonyme für fußballerisches Versagen. Der fatalistische Satz „Man könnt jetzt ja Wörns und Nowotny einwechseln!“ fiel auch gestern nach dem 1:1-Kopfballtor der Dänen.

Viertelfinale gegen Griechenland? Kein gutes Gefühl: Hat es 2004 für die deutsche Mannschaft nicht genauso angefangen? Eigentlich hat sie gut gespielt, aber dann doch versagt. Und Europameister wurde damals Griechenland. Mit hässlichem Achtziger-Jahre-Fußball, die letzten drei Spiele gewannen sie 1:0 nach Standardsituationen. Schuld am Ganzen war ein Trainer namens Otto Rehhagel, der ja in diesem Jahr auch schon eine ziemlich miese Rolle im deutschen Fußball gespielt hat. Und auf der Tribüne in Portugal saß immer Gattin Beate. Die sei ihr unheimlich, sagte damals schon immer eine abergläubische Freundin von mir: „Malocchio!“ zischte sie, wenn die Frau auf dem Bildschirm zu sehen war und machte eine obszöne Geste.

Ich bin ja nicht überhaupt abergläubisch. Aber, rückblickend stellen sich so viele Fragen: Spielte Özil gestern nicht, als hätte ihm jemand einen Knoten in die Beine gehext? Wieso war Gomez so abgemeldet? Und wirkte Badstuber zwischendurch nicht auch wie geistig abwesend? Waren eigentlich die Rehhagels eigentlich gestern im Stadion? Vielleicht auf Einladung des griechischen Fußballverbands? Wundern würde es mich nicht.

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