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EM-Kolumne Mit Angie auf der Tribüne
von Michael Pöppl am 20. Juni 2012
Schiedsrichterentscheidungen, Verschnaufspausen und Vorfreude auf hohen Besuch: Das Zwischenfazit unseres EM-Kolumnisten ist so durchwachsen wie das Turnier in Polen und der Ukraine selbst. Die wichtigste Frage zuerst: Wofür ist eigentlich so ein Torrichter gut? Nach dem gestern nicht gegebenen Tor der Ukrainer gegen England hat es ja wohl allen Zuschauern den Atem verschlagen. Um mal Heinrich Lübke nach dem Wembleytor von 1966 zu zitieren: „Der Ball war drin!“ War er damals natürlich nicht. Der Schuss des Ukrainers Marko Devic in Donezk aber schon. Kein Wunder, dass sich die Gastgeber von Oberschiedsrichter Viktor Kassai ziemlich verpfiffen fühlten. Ein Skandal: Da steht der „Additional Assistant Referee“, wie der Job offiziell heißt, direkt daneben und sieht mit freiem Blick nicht, was Millionen andere am Bildschirm sofort erkannt haben. Da brauchte man nicht mal die Super-Slomotion. Ich prophezeie: Istvan Vad, so heißt der ungarische Torlinienüberwacher, wird in Zukunft in einer berüchtigten Reihe mit Tofik Bachramow genannt werden, dem Mann, der 1966 England das 3:2 schenkte. Am Montag noch hatte Uefa-Präsident Michel Platini sämtliche Ideen der Fifa zu den Themen GPS-Torerkennung oder Chip im Ball kategorisch abgelehnt. „Das ist das Turnier mit den besten Schiedsrichterleistungen bisher“, hatte er in der voreiligen Vorrundenkonferenz noch getönt. Man soll die Unparteiischen eben nicht vor dem Abpfiff loben. Gerade die beiden letzten Spieltage zeigten, dass Schiedsrichter eben doch fehlbar sind. So wie der deutsche Referee Wolfgang Stark, der den Kroaten einen eindeutigen Elfer verweigerte und ebenso wie sein ungarischer Kollege Kassai nach Hause fahren darf. Dabei gibt es für das ewige Gerechtigkeitsproblem im Fußball nur zwei Lösungsmöglichkeiten. Entweder man arrangiert sich wieder damit, dass der Schiri immer Recht hat, dann müssen alle auf oder neben dem Platz das akzeptieren: Sometimes you win, sometimes you lose. Oder man packt eben doch einen Chip in den Ball oder gibt den Referees die Möglichkeit, bestimmte strittige Spielsituationen auf einem Bildschirm nachzuprüfen. ![]() Einen Tag spielfrei bei der EM: Endlich wieder Zeit für die wichtigen Dinge im Leben (Symbolbild / Panini) Nach dem einen Tag Verschnaufpause, an dem man endlich mal die alten Zeitungs- und Onlineartikel von zwei Wochen weglesen und seine Panini-Bildchen einkleben konnte, geht die Euro 2012 ja erst so richtig los. Viertelfinale heißt: Keine taktischen Spielereien mehr, Team gegen Team, wer verliert ist draußen. Dass keiner der beiden Gastgeber mehr dabei ist, war zwar absehbar, ist aber dennoch schade. An dem Turnier an sich wird das nicht viel ändern. Fraglich ist allerdings, ob die sowieso schon vielen freien Tribünenplätze nicht noch mehr werden. Denn, auch wenn das Uefa-Fernsehen die Lücken neben vielen anderen Peinlichkeiten auch nicht zeigt, viele Tickets, ob selbst bezahlt oder von Sponsoren verschenkt, werden nicht genutzt, aus welchen Gründen auch immer. Freuen wir uns jetzt erst mal drauf, dass wir bis zum Sonntag vier ziemlich spannende Spiele erwarten können. Prognosen über den möglichen Ausgang werde ich an dieser Stelle übrigens nicht mehr liefern. Nur so viel: Bei unseren Tipprunden im Freundes- und Kollegenkreis liegt vor mir, mit fast doppelt so viel Punkten, der dreijährige Sohn eines Freundes – er hat seine Tipps per Würfel ermittelt. Und im Büro führt eine fußballfremde Praktikantin die Liste an, vermutlich, weil sie einen der griechischen Spieler so süß findet. Und auf solches Niveau möchte ich mich dann doch nicht begeben. Für das Deutschlandspiel am Freitag gibt es übrigens weissagungstechnisch noch eine gute Neuigkeit: Die Kanzlerin hat sich zum Viertelfinale gegen die Griechen in Danzig angesagt. Und mit Angie auf der Tribüne war die deutsche Elf bisher immer erfolgreich. Wir freuen uns jetzt schon auf ihren herzigen Torjubel. Ähnliche Artikel Ist die Zeit der Suchmaschinen etwa vorbei? Sind sie schlicht zu gut? Suchkumpel statt… Eine Shoppingtour unseres Motorradmanns Jan Joswig endete mit einer unerwarteten Entdeckung: Im… Charles Bukowski, Blutblasen im Ohr und Vögel unter Maos… Jan Joswig nimmt in seiner Kolumne den ehemaligen italienischen Motorradhersteller Laverda ins… Netzkolumnist Frédéric Valin möchte der Sprachkritik im Internet kein Forum bieten. Den… Ähnliche Galerien Keine passenden Galerien gefunden
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