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EM-Kolumne Tristessa – oder so ähnlich
von Michael Pöppl am 29. Juni 2012
Aus, aus, aus! Die EM ist aus! – und das schon wieder gegen Italien. “Verdammte Hacke”, jammert unser Kolumnist und denkt an Dante, “langsam fange ich wirklich an, an Hexerei und Flüche zu glauben!” Dazu aber später mehr. ![]() War wahrscheinlich auch bloß einer von Dantes Schergen: Mario Balotelli, wie besessen, der Deutschland im Doppelpack aus dem Turnier schoß (imago/Anan Sesa) Um eines schon mal klarzustellen: Sätze wie „Die Besseren haben gewonnen“ oder ähnlich laues Geschwätz will ich heute wirklich nicht hören. Und schon gar nicht lesen. Denn erstens stimmt das nicht, es waren höchstens „die Glücklicheren“ oder „die Effektiveren“ und zweitens interessieren mich objektive Erklärungen nach so einer Niederlage einen feuchten Kehricht. Ich darf so rüde schreiben, schließlich bin ich Fan, das kommt von „fanatic“, und kein Sportwissenschaftler. „Fandst du nicht auch, dass Gomez eine absolute Fehlbesetzung war?“, wurde ich gleich nach dem Spiel gefragt. Eigentlich ja, aber das ist, wie wenn man aus dem Kino kommt, einen todtraurigen oder herzergreifenden Streifen gesehen hat und, kaum draußen vor der Tür, jemand fragt: „Und wie fandst du den Film?“ Keine Ahnung, kann ich da immer nur sagen, da muss ich noch drüber nachdenken. Wahrscheinlich sogar länger. Denn nach einer solchen emotionalen Anstrengung bin ich einfach erst mal enttäuscht. Traurig. Wortkarg. Da will ich einfach nicht analysieren. Und schon gar nicht witzig oder eloquent sein. Das überlasse ich den Clowns von „Waldi‘s Wurscht-Show“ oder wie die heißt. Eine unerträgliche Sendung in der lustige „Fußballfachleute“ nach dem Match versuchen, ihre alten Gags nochmal unterzubringen. Jedenfalls: Wenn Dante Alighieri, der Verfasser der „Divina Comedia“, diese Sendung gekannt hätte, hätte er sie wahrscheinlich in einem der inneren Höllenkreise verortet. Auch ein Italiener übrigens, der Herr Dante. Und deshalb jetzt nochmal zu den schlechten Vorzeichen. Okay, nun analysiere ich also doch noch. Punkt eins: Steffen Simon kommentierte das Spiel – schon mal ganz schlecht. Hohle Phrasen sind sein Fachgebiet, aber diesmal übertraf er sich selbst. Zweitens: Schon beim Singen der Hymnen konnte man den Unterschied zwischen beiden Mannschaften sehen und hören, wie viel engagierter und feuriger die Italiener waren. Und wie verkrampft die Deutschen. Die Mimik von Kross war verräterisch, die Körpersprache von Özil und von Schweinsteiger, alles zu nervös, ängstlich beinahe. Den Italienern schien der „historische Augenblick“ einfach egal zu sein. Sie wollten gewinnen, fertig, aus. Das war das andere böse Zeichen. Das dritte kam dann in der Pause, als es schon 2:0 für Italien stand. Als ich sah, wer die „Tagesthemen“ moderiert, schoss mir Dantes „Lasset alle Hoffnung fahren“ durch den Kopf: Ingo Zamperoni erschien auf der Mattscheibe. Ein sympathischer gutaussehender Typ, aber: der Mann ist Halbitaliener! Haben denn die Verantwortlichen bei der ARD kein Fingerspitzengefühl? Vermutlich nicht. Siehe oben. Ähnliche Artikel Ist die Zeit der Suchmaschinen etwa vorbei? Sind sie schlicht zu gut? Suchkumpel statt… Eine Shoppingtour unseres Motorradmanns Jan Joswig endete mit einer unerwarteten Entdeckung: Im… Charles Bukowski, Blutblasen im Ohr und Vögel unter Maos… Jan Joswig nimmt in seiner Kolumne den ehemaligen italienischen Motorradhersteller Laverda ins… Netzkolumnist Frédéric Valin möchte der Sprachkritik im Internet kein Forum bieten. Den… Ähnliche Galerien Keine passenden Galerien gefunden
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