TV-Kolumne
Nilz zappt (29)

Joko vs. Klaas vs. Waldi! Das Wochenende, liebe Zuschauer, war für unseren TV-Kolumnisten eine Achterbahn der Gefühle. Aber mit mehr Ups als Downs.

Freud und Leid liegen manchmal so dicht beieinander. Das gilt für die vergangene Fernsehwoche gleich im doppelten Sinn. Fangen wir mit dem Positiven an:

Joko vs. Klaas: Warum tun wir das? (Quelle Pro7)

Joko vs. Klaas: Warum machen wir das mit? (Foto: Pro7)

Am Samstagabend hatte „Joko vs. Klaas – Das Duell um die Welt“ auf Pro7 Premiere und ich begebe mich hier wieder sehr tief in die Höhle des Klüngelvorwurfs, aber Wurst: Die Show war Weltklasse. Ich hab mich wirklich bestens unterhalten gefühlt, ich hab’ viel gelacht, an manchen Stellen sogar mitgefiebert, ich hab’ mich gefreut „Sabotage“ von den Beastie Boys auch in einer Samstagabend-Show zu hören. Und ich fand es gut von keinem langweiligen Show-Act abgelenkt zu werden, weil ich nur sehen wollte, wie sich die zwei Freunde gegenseitig das Leben schwer machen.

Joko mit Ringerin. (Quelle Pro7)

Joko mit Ringerin. (Foto: Pro7)

Dabei ist die ganze Sendung so überinszeniert und Joko und Klaas machen sich so herrlich uneitel zu den totalen Oberaffen, dass man einem das Grinsen schon operativ entfernen müsste, um es aus dem Gesicht zu kriegen beim Zusehen. Wenn Joko als „El Sexisto“ bei einem mexikanischen Wrestlingkampf der Frau, die ihn mühelos niedergerungen hat, als Aufgabe an den Po grapschen muss, dann ist das vielleicht in erster Linie nicht so richtig korrekt, aber er wirkt dabei so schrecklich unschuldig wie ein kleiner Schuljunge. Genauso wie die diebische Freude von Klaas, sich diese dämliche Mutprobe überhaupt ausgedacht zu haben. Und als Revanche muss sich Klaas in Tokio Salzwasserlösung in die Stirn spritzen und eindrücken lassen, so das es einen Abend aussieht, als hätte er sich einen Donut unter die Haut operieren lassen. Das ist so unglaublich bescheuert und groß zugleich.

Klaas mit Salzlösung. (Quelle Pro7)

Klaas mit Salzlösung. (Foto: Pro7)

Jokos geradezu Raab’scher Siegeswille und seine demonstrative Naivität trifft dabei auf Klaas’ immer leicht verkatert wirkende Genervtheit, mit der er alles über sich ergehen lässt. Dieser Gegensatz, daraus ist wahre Samstagabend-Magie gemacht. Das ist die große Show der Sensationen. Die Mutproben sind keine Jackass-Ekel-Tests, in denen es darum geht immer noch krasser und männlicher und stärker als seine Kumpels zu sein. Hier findet kein Testosteron-Feuerwerk statt. Da wird mitgelitten und sich jedes Mal die Frage gestellt: Warum? Warum macht Ihr das mit? Und man hört die Protagonisten jedes Mal zurückrufen: Ja, warum eigentlich?

Joko und Klaas stellen sich in den Dienst der Sache und die heißt „Entertainment“. Ganz einfach. Während neo Paradise der dreckige, kleine Bruder ist, der Spielplatz auf dem man auch die dümmsten Ideen ausprobieren kann, ist „Joko vs. Klaas“ die Übersetzung in Hochglanz. Und das funktioniert perfekt. Gut, die Moderatorin Jeannine Michaelsen schien ein wenig unsicher in ihrer Rolle zu sein. Sie ist eigentlich nur der Puffer zwischen den beiden Rampensäuen. Die Johanna Klum hat das immer sehr gut gemacht in „Elton vs. Simon“. Dafür hat Michaelsen noch zu oft versucht, mit Joko und Klaas gemeinsam zu moderieren. Das haut nicht hin. Aber das wird sich auch noch finden, denke ich. So weit eine grandiose Sendung. Ich kann die nächste Folge kaum erwarten.

Waldi mit Merchandising. (Quelle ARD)

Waldi mit Merchandising. (Foto: ARD)

Nicht ABWARTEN wollte die ARD die nächste Folge von „Waldis Club“. Clubchef Waldemar Hartmann konnte den Vertrag nicht akzeptieren, der ihm angeboten wurde und muss sich nun nach einem neuen Sender für seine Kumpelshow umsehen. Ihm zufolge wird das ja kein Problem, weil er glaubt absolutes High Quality-Fernsehen angeboten zu haben. Ob die Quote nicht vielleicht deswegen so gut war, weil die Show direkt nach den EM-Spielen kam und die Menschen dann einfach zu träge oder abgelenkt sind, umzuschalten, kommt ihm natürlich nicht in den Sinn. Woher auch. Ganz drollig ist es aber, wie er sich beschwert, dass im Sender niemals jemand seine Sendung ernst genommen hätte. Er würde jetzt ab und zu nur noch Boxen für das Erste moderieren. Wie gnädig.

Die einen sollen bitte bleiben, der andere darf bitte gehen. Manchmal ist es so einfach.

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Nilz Bokelberg (35) ist Moderator, Autor, Netz- und Fernsehjunkie und bloggt unter anderem für unsere Fünf Filmfreunde. Bei Twitter ist Nilz auch.

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