|
TV-Kolumne Nilz zappt (33)
von Nilz Bokelberg am 21. August 2012
Mitten im Sommerloch kehrt einer zurück ins Fernsehen, der sich mit Sommer- und Kellerlöchern auskennt: Kurt Krömer, inklusive Gästen. Nilz Bokelberg hat sich – natürlich – die erste „Krömer Late Night Show“ angesehen. ![]() Gäste, wie er sie braucht: Kurt Krömer mit Gregor Gysi und Helge Schneider in der ersten Folge von "Krömers Late Night Show" (Foto: rbb/Daniel Porsdorf) Fangen wir an mit der sehr, sehr guten Nachricht: Kurt Krömer ist wieder da. Am Samstagabend hatte seine neue Sendung, die „Krömer Late Night Show“ Premiere und wird nun immer nach dem „Wort zum Sonntag“ ausgestrahlt. Und es ist ein bisschen wie nach Hause kommen. Krömer kommt wieder nach Hause ins Fernsehen und der Zuschauer wird da abgeholt, wo er nach dem Ende von „Krömer – Die internationale Show“ stehengeblieben ist. Gut, die Sendung wird nun nicht mehr im RBB Studio aufgezeichnet, sondern im Theater des Berliner Ensembles. Eine schöne Kulisse. Es gibt auch keine große Showtreppe mehr, keine Kamera im Kühlschrank und kein Kellerloch, in dem die Gäste warten müssen. Aber ansonsten ist alles noch genauso, wie es war. Eine Auftrittstreppe gibt es nach wie vor, in einem Bühnenbild, das wie eine abgeranzte Neuköllner Wohnung aussehen soll und dabei natürlich wie eine Babelsberg-Kulisse aussieht. Böse Erinnerungen an diese eine Krömer-Show werden wach, in der er mit seiner „Familie“ (die nur aus Schauspielern bestand) Gäste interviewt hat. Aber keine Sorge, hier ist er ganz alleine. Zumindest als Moderator, Gäste hat er natürlich immer noch. ![]() Elder Statesman und einer, der das mal werden will: Helge Schneider (r.) und Gastgeber Kurt Krömer (rbb/Daniel Porsdorf) Und die braucht Kurt Krömer. Das wird nirgends so klar wie in dieser ersten Sendung. Den Anfang bestreitet er natürlich alleine und ich muss ehrlich gestehen: Ich hab’ da ein bisschen Angst bekommen. Krömer wirkte irgendwie zerfahren, ein wenig planlos und vor allem zahnlos. Nun weiß ja jeder, der sich auch nur kurz mit ihm beschäftigt hat, dass er sich selber eine Art Ruhepause verschrieben hat, das Krömer ausgebrannt war. Und deswegen achtet man bei einer Rückkehr natürlich plötzlich sofort auf alle möglichen Signale. Vielleicht war der Eröffnungsmonolog genauso gut oder schlecht wie in allen anderen Sendungen zuvor, aber diesmal hat man halt anders hingeguckt. Umso trauriger, dass er eine kapitale Chance vertan hat: den Burn-Out zu thematisieren. Gerade die Kunstfigur Kurt Krömer hätte da eine hervorragende Chance gehabt, sich durch den Kakao zu ziehen und diese ganzen modernen Zivilisationsleiden gleich mit. Mit seiner klassisch schnoddrigen Art. Das wäre ein wirkliches Fest geworden. Stattdessen aber erzählt er, dass Quatsch über seine Frisur geschrieben worden wäre und das er in Afghanistan war, um dort vor den Truppen aufzutreten. Und beendet das mit einem Einspieler, bei dem niemand so Recht weiß, was der eigentlich soll. Man sieht Krömer in Afghanistan rumhampeln, das Ganze unterlegt von Musik. Kein O-Ton, nur so eine Art Mood-Video. Aber was soll mir diese MAZ sagen? Das er wirklich da war? Das ich mich auf die kommenden MAZen freuen soll? Auch hier: Chance vertan, gleich mit einem Riesenknaller zu starten. Warum auch immer. Vielleicht will man unterschätzt werden. Aber eine viel größere Sorge macht sich breit: Hier findet sich jemand ein bisschen zu cool.
Am Ende macht sich Erleichterung breit: Diese Sendung ist die gleiche Show wie immer. Ein paar kleine, kosmetische, zum Teil schief gegangene Operationen, aber die sind nicht schlimm. Krömer gegen seine Gäste ist nach wie vor allergrößter Spaß und wird wie immer wunderbar aufgelöst, wenn sich zum Schluß alle Hand in Hand verbeugen. Alles nur Spaß. Willkommen zurück, Kurt. Ein Glück, dass Du wieder da bist. ____________________ Ähnliche Artikel Ist die Zeit der Suchmaschinen etwa vorbei? Sind sie schlicht zu gut? Suchkumpel statt… Eine Shoppingtour unseres Motorradmanns Jan Joswig endete mit einer unerwarteten Entdeckung: Im… Charles Bukowski, Blutblasen im Ohr und Vögel unter Maos… Jan Joswig nimmt in seiner Kolumne den ehemaligen italienischen Motorradhersteller Laverda ins… Netzkolumnist Frédéric Valin möchte der Sprachkritik im Internet kein Forum bieten. Den… Ähnliche Galerien Keine passenden Galerien gefunden
Schlagwörter
Andreas Bock
Architektur
ARD
Beetlebum
Berlin
Blu-ray
BMW
Bundesliga
DVD
EM 2012
Euro 2012
FC Bayern München
Fernsehen
Film
Frédéric Valin
Fußball
HipHop
Hollywood
Internet
Interview
Jan Joswig
Johannes Kretzschmar
Kino
Kolumne
Komödie
Konzept
Kritik
Literatur
Markus Lanz
Motorrad
Motorradmänner
Musik
Nilz Bokelberg
Oscars
Pop
Rezension
Rock
Songwriter
Sport
Thomas Gottschalk
Thriller
Trailer
TV
Yamaha
ZDF
|