TV-Kolumne
Nilz zappt (33)

Mitten im Sommerloch kehrt einer zurück ins Fernsehen, der sich mit Sommer- und Kellerlöchern auskennt: Kurt Krömer, inklusive Gästen. Nilz Bokelberg hat sich – natürlich – die erste „Krömer Late Night Show“ angesehen.

Kurt Krömer

Gäste, wie er sie braucht: Kurt Krömer mit Gregor Gysi und Helge Schneider in der ersten Folge von "Krömers Late Night Show" (Foto: rbb/Daniel Porsdorf)

Fangen wir an mit der sehr, sehr guten Nachricht: Kurt Krömer ist wieder da. Am Samstagabend hatte seine neue Sendung, die „Krömer Late Night Show“ Premiere und wird nun immer nach dem „Wort zum Sonntag“ ausgestrahlt. Und es ist ein bisschen wie nach Hause kommen. Krömer kommt wieder nach Hause ins Fernsehen und der Zuschauer wird da abgeholt, wo er nach dem Ende von „Krömer – Die internationale Show“ stehengeblieben ist.

Gut, die Sendung wird nun nicht mehr im RBB Studio aufgezeichnet, sondern im Theater des Berliner Ensembles. Eine schöne Kulisse. Es gibt auch keine große Showtreppe mehr, keine Kamera im Kühlschrank und kein Kellerloch, in dem die Gäste warten müssen. Aber ansonsten ist alles noch genauso, wie es war. Eine Auftrittstreppe gibt es nach wie vor, in einem Bühnenbild, das wie eine abgeranzte Neuköllner Wohnung aussehen soll und dabei natürlich wie eine Babelsberg-Kulisse aussieht. Böse Erinnerungen an diese eine Krömer-Show werden wach, in der er mit seiner „Familie“ (die nur aus Schauspielern bestand) Gäste interviewt hat. Aber keine Sorge, hier ist er ganz alleine. Zumindest als Moderator, Gäste hat er natürlich immer noch.

Kurt Krömer

Elder Statesman und einer, der das mal werden will: Helge Schneider (r.) und Gastgeber Kurt Krömer (rbb/Daniel Porsdorf)

Und die braucht Kurt Krömer. Das wird nirgends so klar wie in dieser ersten Sendung. Den Anfang bestreitet er natürlich alleine und ich muss ehrlich gestehen: Ich hab’ da ein bisschen Angst bekommen. Krömer wirkte irgendwie zerfahren, ein wenig planlos und vor allem zahnlos. Nun weiß ja jeder, der sich auch nur kurz mit ihm beschäftigt hat, dass er sich selber eine Art Ruhepause verschrieben hat, das Krömer ausgebrannt war. Und deswegen achtet man bei einer Rückkehr natürlich plötzlich sofort auf alle möglichen Signale. Vielleicht war der Eröffnungsmonolog genauso gut oder schlecht wie in allen anderen Sendungen zuvor, aber diesmal hat man halt anders hingeguckt. Umso trauriger, dass er eine kapitale Chance vertan hat: den Burn-Out zu thematisieren. Gerade die Kunstfigur Kurt Krömer hätte da eine hervorragende Chance gehabt, sich durch den Kakao zu ziehen und diese ganzen modernen Zivilisationsleiden gleich mit. Mit seiner klassisch schnoddrigen Art. Das wäre ein wirkliches Fest geworden. Stattdessen aber erzählt er, dass Quatsch über seine Frisur geschrieben worden wäre und das er in Afghanistan war, um dort vor den Truppen aufzutreten. Und beendet das mit einem Einspieler, bei dem niemand so Recht weiß, was der eigentlich soll. Man sieht Krömer in Afghanistan rumhampeln, das Ganze unterlegt von Musik. Kein O-Ton, nur so eine Art Mood-Video. Aber was soll mir diese MAZ sagen? Das er wirklich da war? Das ich mich auf die kommenden MAZen freuen soll? Auch hier: Chance vertan, gleich mit einem Riesenknaller zu starten. Warum auch immer. Vielleicht will man unterschätzt werden. Aber eine viel größere Sorge macht sich breit: Hier findet sich jemand ein bisschen zu cool.

Nilz BokelbergEs sind rund zehn Minuten der neuen Krömer-Show vergangen und ich mache mir Sorgen. Sorgen, das Krömer seinen Humor verloren hat, seine alte Form. Rohrkrepierer, Witze über die niemand lacht, hat der schon immer gern gemacht. Aber hier wirkt das alles unabsichtlich. Aber dann, Halleluja, kommt der erste Gast: Gregor Gysi. Und auf einmal wird alles gut. Gysi ist exakt der Sparringspartner, den Krömer braucht. Einer der gegen hält, sich auch mal verzettelt und den man gut aus der Reserve locken kann. Einer, der sich sowieso gerne reden hört. Solche Gäste sind im Talk mit Krömer Gold wert, das wird sofort klar. Mit Gysi mimt er Polittalk, wobei er eigentlich die meiste Zeit nach der Beziehung zwischen Lafontaine und Wagenknecht fragt und damit sehr lustig die übliche Berichterstattung über die Linke persifliert und entlarvt, weil es ja eigentlich tatsächlich die meiste Zeit um das Paar geht, was aber niemand klar ausspricht. Als zweiter Gast kommt noch Helge Schneider dazu und wirkt neben dem (wegen Helge) offensichtlich aufgeregten Krömer wie der Elder Statesman der deutschen Comedy. Eine herrlich bescheuerte Männerrunde sitzt da auf der Bühne und blödelt vor sich hin. Und Krömer muss immer noch über die halbe Bühne laufen, um seinen Gästen ihre Getränke zu bringen. Nur das sie diesmal in einer Badewanne lagern. Aber auch da gibt es eine feste Kamera.

Am Ende macht sich Erleichterung breit: Diese Sendung ist die gleiche Show wie immer. Ein paar kleine, kosmetische, zum Teil schief gegangene Operationen, aber die sind nicht schlimm. Krömer gegen seine Gäste ist nach wie vor allergrößter Spaß und wird wie immer wunderbar aufgelöst, wenn sich zum Schluß alle Hand in Hand verbeugen. Alles nur Spaß. Willkommen zurück, Kurt. Ein Glück, dass Du wieder da bist.

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Nilz Bokelberg (35) ist Moderator, Autor, Netz- und Fernsehjunkie und bloggt unter anderem für unsere Fünf Filmfreunde. Bei Twitter ist Nilz auch.

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