|
'Motorradmänner'-Kolumne Dirty Old Times: Alte Männer und ihre fliegenden Kisten
von Jan Joswig am 27. September 2012
Motorradmann und Schauspieler Steve McQueen gilt als der „King of Cool“. Unser Kolumnist entdeckt aber jenseits von Hollywood betagte Herren, auf die das auch zutrifft. Noch sitzen sie fest im Sattel, die Big Boys aus der goldenen Ära des Motocross von Ende der 40er bis Mitte der 60er. Im Filmprojekt „Dirty Old Times“ lassen die alten Herren Geschichte und Geschichtchen Revue passieren. Jeder kennt Steve McQueen auf seiner Husqvarna 400 im Film „On Any Sunday“. Aber es waren die Big Boys wie Torsten Hallman, Rolf Tibblin oder Bill Nilsson, die mit Vollgas-Enthusiasmus und Streifenhemd die Motocross-Kultur prägten. Diesen Helden der Dreckpisten will „Dirty Old Times“ das verdiente Denkmal setzen. Über den jüngsten der Motocross-Veteranen, den 74-jährigen Arne Wallerstedt, stolperte Regisseur Marc Hartmann per Zufall. Der BMW-GS-Fahrer und professionelle Filmer besuchte 2009 die Hochzeit seines Bruders in Schweden. Der Brautvater Gunnar Tejle, mittlerweile Associate Producer des Films, nahm ihn zur Seite und meinte: „I heard you like motorbikes. Come with me.“ Dann führte er Marc in Arnes Scheune voller Motorräder. „Mein sofortiger Gedanke war: Ich möchte einen Film über diesen Mann machen“, benennt Marc den Zündfunken: „Dann ist das Projekt gewachsen und gewachsen …“ Die einstündige Dokumentation setzt sich aus Filmmaterial von Marc und seiner vierköpfigen Crew und dem Footage-Material der Protagonisten zusammen. „Wir haben Einzelinterviews mit den Big Boys geführt. Was die gesagt haben, das kann die hochkarätigste Schreibercrew nicht erfinden. Wir machen ein Medley aus den Interviews, angereichert mit dem historischen Material. Es wird kein Talking-Heads-Film. Nur Interviews aneinanderzuschneiden, wäre zu billig. Wir bebildern, worüber gerade gesprochen wird. Man soll nicht im Schweinsgalopp durch das Leben dieser Männer hetzen, sondern in den Gesichtern lesen können. Es geht mehr um die Geschichten, weniger um Oberflächen. Natürlich werden wir abbilden, so sahen Federbeine ganz am Anfang aus. Aber es ist kein Schulfernsehen über irgendwelche Bauteile.” Bei der Recherche wurde en passant geklärt, warum gestreifte Rugbyhemden im Motocross so populär sind. Die Signalwirkung macht’s, gab ein italienischer Ex-Fahrer zu Protokoll: „Im Dreck sehen alle gleich aus, aber mit den breiten Streifen konnte mich meine Mutter auf dem Motorrad erkennen.“ In „Dirty Old Times“ steckt mittlerweile Marcs Hochzeitskasse. Dank Sponsoren-Unterstützung konnte der Dreh abgeschlossen werden. Aber für die Postproduktion setzen Marc und Crew auf Crowdfunding. Über Indiegogo kann man sich bis November 2012 an einem Film beteiligen, der die ältesten Helden einer Subkultur besingt, die gerade wieder schwer im Kommen ist. 25.000 Dollar visiert „Dirty Old Times“ an. Steve McQueens Husqvarna aus „On Any Sunday“ ist für 144.000 Dollar weggegangen – um mal zu zeigen, wo im Motocross die Latte hängt …
Ähnliche Artikel Ist die Zeit der Suchmaschinen etwa vorbei? Sind sie schlicht zu gut? Suchkumpel statt… Eine Shoppingtour unseres Motorradmanns Jan Joswig endete mit einer unerwarteten Entdeckung: Im… Charles Bukowski, Blutblasen im Ohr und Vögel unter Maos… Jan Joswig nimmt in seiner Kolumne den ehemaligen italienischen Motorradhersteller Laverda ins… Netzkolumnist Frédéric Valin möchte der Sprachkritik im Internet kein Forum bieten. Den… Ähnliche Galerien Keine passenden Galerien gefunden
Schlagwörter
Andreas Bock
Architektur
ARD
Beetlebum
Berlin
Blu-ray
BMW
Bundesliga
DVD
EM 2012
Euro 2012
FC Bayern München
Fernsehen
Film
Frédéric Valin
Fußball
HipHop
Hollywood
Internet
Interview
Jan Joswig
Johannes Kretzschmar
Kino
Kolumne
Komödie
Konzept
Kritik
Literatur
Markus Lanz
Motorrad
Motorradmänner
Musik
Nilz Bokelberg
Oscars
Pop
Rezension
Rock
Songwriter
Sport
Thomas Gottschalk
Thriller
Trailer
TV
Yamaha
ZDF
|