TV-Kolumne
Nilz zappt (39)

Wahrscheinliche Gewinner und viel Wein: Nilz hat sich am Wochenende zwei ganz unterschiedliche Fernsehwettbewerbe reingezogen – und schlussfolgert daraus ein vielleicht sogar erfolgsversprechendes neues Fernsehformat.

Zwei atemberaubende Wettbewerbe haben Fernsehdeutschland in der letzten Woche fest im Griff gehabt:

1.) Der Bundesvisionsongcontest

Stefan Raab hat mal wieder Bands aus der ganzen Republik eingeladen, gegeneinander anzutreten, beim kleinen Bruder des Eurovision Song Contests. Welche Band dabei welches Bundesland vertritt hat mal wieder keine Rolle gespielt, die Verbindungen wurden wieder fröhlich konstruiert á la: „Die erste Freundin unseres Drummers hat im Saarland mal mit der Tante ihres Babysitters den Schwippschwager ihrer Lehrerin besucht.“ Ist ja tatsächlich auch völlig egal. Am besten ist der Wettbewerb wirklich in den Momenten, in denen er neue Acts ans Licht der Öffentlichkeit hebt. Da ist der Wettbewerb auch spannend: Hat das komische, weißblasse Mädchen mit den Gummistiefeln eine Chance? Oder die etwas entrückt wirkende Johanna mit dem Riesenhut? Wie steht’s um die coolen Indie-Jungs? Ist Deutschland bereit für so was? Oder wird es doch wieder so eine Radio-Schnulze?

Xavas beim BuViSoCo

Überraschung, Überraschung: Die alleine und im Doppelpack nicht mehr ganz unbekannten Xavas (Xavier Naidoo & Kool Savas) gewinnen Stefan Raabs Bundesvision Song Contest (Foto: Pro7)

Am langweiligsten ist es übrigens, wenn etablierte Acts antreten. „Oh, Xavas machen mit? Die sind doch diese Woche auf Platz Eins gechartet….“ Genau die, Xavier Naidoo und Kool Savas, haben schlussendlich den Wettbewerb auch gewonnen und durften ihren Siegertitel dann noch einmal vor einer buhenden Halle performen. Die Moderatoren, allen voran Stefan Raab, versuchten die Meute zu beschwichtigen, indem sie dem Act Mut attestierten, weil diese mit Favoriten-Status überhaupt angetreten sind. Nun ja. Mein Respekt für diesen unglaublichen Mut hält sich etwas in Grenzen. Man musste kein Prophet sein um zu wissen, das Xavas gut charten würde und natürlich rufen die Leute für das an, das sie gerade gerne hören. Ich finde das ein wenig wettbewerbsverzerrend. Man müsste schon sagen: Der Song darf höchstens ein Jahr alt sein und bis zu vier Wochen vor der Show darf die Band nichts releasen. Zwei einfache Regeln, die alles wenigstens zu einem Mindestmaß verfairen würden. Klar, die Plattenfirmen würden Amok laufen bei solchen Regeln und die bezahlen den Spaß ja, deswegen wird das nie passieren. Aber man könnte die Veranstaltung ernster nehmen. Falls das irgendjemand möchte.

Schön war die Twittereinbindung: Ganz Twitter hat sich zur Verständigung auf das Hashtag #BuViSoCo geeinigt. Das war aber auch das offizielle Hashtag der Veranstaltung. Elton, der im Green Room als Reporter unterwegs war, hat die einzelnen Bands dann immer mit Tweets konfrontiert, die mit ihnen zu tun hatten. Das war sehr schnelle Kommunikation und hat super funktioniert. Für meinen Geschmack fast ein bisschen zu super, denn ich hatte geschrieben, wie gut ich Fiva MC fand („Ich hab mich ein bisschen in Fiva reinverliebt…“) und Elton konfrontierte sie dann live on air mit der Tatsache: „Du, der Nilz Bokelberg hat sich in dich verliebt!“ Das musste ich dann erstmal meiner Tochter erklären, mit der ich die Sendung geguckt hatte, die aber nicht wusste, dass und was ich da auf Twitter schreibe. Die hat komisch geguckt, als da plötzlich ihr Papa erwähnt wurde. Ein großer Spaß!

Aber kommen wir zum zweiten, viel wichtigeren Wettbewerb:

2.) Das Finale zur Wahl der deutschen Weinkönigin

Weinkönigin

Hier weiß sie noch nichts von ihrem Glück: Julia Bertram von der Ahr (6. v. r.), deutsche Weinkönigin 2012 (Foto: SWR / Angelika Stehle)

Ich hab’ noch nie so einen Wettbewerb gesehen. Da ist alles drin. Stelzige Sprache, ein toller, klassischer Conferencier, ganz natürliche, normale Mädchen und der Gestus der großen Show, obwohl es nur um den Titel, nun ja, zur deutschen Weinkönigin geht. Ich hab das Samstagabend zufällig im Fernsehen gesehen und war sofort angetan. Ich empfehle alle Videos auf dieser Seite zu gucken, aber um einen ungefähren Eindruck zu gewinnen, reicht es auch das Video der Gewinnerin zu gucken, in dem sie einen 60-sekündigen Text vorliest, der sie repräsentieren soll. Der Wahnsinn. Ich will nächstes Jahr auch unbedingt beim Finale der Weinkönigin dabei sein.

Nilz BokelbergAm geilsten wäre es, wenn man versuchen könnte die Wettbewerbe zu mischen. Wenn Raab die Weinkönigin wählen lassen würde, könnte das dem Contest den nötigen Schub Rock’n'Roll geben. Wenn aber der Moderator der Weinkönigin irgendwelche Indie-Bands oder Rapper ansagen würde, könnte ich mir das auch durchaus als interessanten Kontrast vorstellen. Synergieeffekte nutzen! Bundesvision Weinköniginnen Contest! YAY!

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Nilz Bokelberg (35) ist Moderator, Autor, Netz- und Fernsehjunkie und bloggt unter anderem für unsere Fünf Filmfreunde. Bei Twitter ist Nilz auch.

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