TV-Kolumne
Nilz zappt (41)

Konkurrenz für ZDF neo: Vier deutsche Fernsehunterhaltungsgrößen sind jetzt bei Tele 5 zuhause. Nilz Bokelberg fasst die Programm-Offensive zusammen.

Die drei lustigen neuen Vier bei Tele 5: Benjamin von Stuckrad-Barre, Peter Rütten, Oliver Kalkofe, Christian Ulmen als Uwe Woellner (Foto: Gert Krautbauer / Tele 5)

Tele 5 macht das große Fass auf und beschert dem geneigten Zuschauer eine große Programm-Offensive: Vier neue Formate gingen dort an zwei Tagen an den Start, von denen zwar nur eines wirklich „neu“ ist, aber für die drei anderen ist es auch schön, so wiedergeboren zu werden:

  • „Rüttens Bullshit Universum“

Peter Rütten dürfte Vielen noch bekannt sein als Chef-Gagautor der Harald-Schmidt-Show, damals zu seligen Sat1-Zeiten (also, als Schmidt zum ersten Mal bei Sat 1 war…). Da war Rütten oft genug selber Teil der Einspieler und wenn schon nicht im On, so hat er zumindest die meisten Beiträge damals gesprochen. Seine Stimme spielt auch in seinem ersten, eigenen Format die wichtigste Rolle: In „Rüttens Bullshit Universum“ vertont Rütten Szenen aus Spielfilmen neu und schafft so die absurdesten Situationen. Zum Beispiel die hier: Ein Mafiaboss testet einen Mitarbeiter mit Fistelstimme. Oder ein Vietnam-Captain scheint übergeschnappt zu sein, weil er die ganze Zeit ins „Bobbejaanland“ will. Das ist oft ganz lustig, manchmal auch ein bisschen zu viel „Pipi, Kacka, Ficki“. Dadurch wirkt das stellenweise doch noch recht 90er-mäßig. Aber nichts, was sich nicht noch ändern könnte. Lustigerweise fand ich die Moderationen zwischen den Schnipseln am witzigsten, weil sich da Rütten mit seinem Live-Regisseur streitet und dieser Regisseur mit seiner ruhigen und sturen Art wirklich unheimlich komisch ist. Meinetwegen können die auch die ganze Zeit da rumsitzen und diskutieren. Ich würd’s gucken. Ist auf jeden Fall ein schönes, schnelles und neues Format. Kann man machen.

  • „Stuckrad-Barre“

Der Polit-Talkshow-Irre ist mit seiner Sendung von ZDF neo zu Tele 5 gewandert und im Zuge dessen gab es ein paar kleine Änderungen: Das Studio sieht jetzt wirklich nach Late Night aus, so mit Berlin-Skyline im Hintergrund, nicht mehr ganz so schrabbelig wie vorher. Im Gegenzug sind aber auch die beiden journalistischen Beobachter, die bei der Sendung das Geschehen immer vom Rand aus kommentieren, von ihrem über alles thronenden Hochsitz hinab auf Augenhöhe mit Stuckrad geschraubt worden. Ihre Loge, die immer etwas Waldorf und Stadler-mäßig wirkte (und sicher auch wirken sollte) ist nun ebenerdig. Erstaunlicherweise hat das auch eine sofortige Wirkung, wie die Auftaktsendung ganz gut bewies: Zu Gast war Johannes Ponader, politischer Geschäftsführer der Piraten. Ein streitbarer Kopf, wie ja sogar die parteiinternen Diskussionen um ihn und seine zu große, mediale Präsenz belegen. Durch die Ebenerdigkeit der Journalisten hatten diese wohl auch das Gefühl, mehr ins Geschehen involviert zu sein. Jedenfalls haben sie verhältnismäßig oft das Interview kommentiert oder das Gespräch mit Zusatzfragen in seinem Fluss unterbrochen und de facto unmöglich gemacht. Was lustig sein könnte. Stuckrad-Barre selbst aber war noch ein bisschen unlocker, hat noch nicht richtig in die Show zurückgefunden und mit Ponader einen Gast gehabt, der sich auch viel aus der Nase ziehen lässt. Außerdem überwogen bei der „Premiere“ die Talk-Elemente, was aber dann schwierig ist, wenn man wie Stucki gar nicht talken will. Da wäre deutlich mehr Aktion (wie es zu neo-Zeiten ja auch war) angesagt. Trotzdem: Für solche Momente, in denen Stuckrad-Barre Ponader die Sandalen auszieht und dessen orange besockten Füße massiert, ist es die Show allemal wert. Der einzig echte Polittalk im deutschen Fernsehen. Läuft.

  • „Ulmen TV“

Bevor die neuen Folgen an den Start gehen, in denen Christian Ulmen in seinen diversen Nervensägen-Rollen verkleidet echte Menschen um den Verstand bringt, werden ein paar alte Highlight-Folgen gesendet. Wer noch nicht damals im Internet gesehen hat, wie Uwe Wöllner von seinem Redakteur vorgeführt wird oder Knut Hansen die bayerische Provinz als Liedermacher erobert, der sollte sich das wirklich sehr dringend ansehen. Fantastische Improvisation, großartiges Fernsehen. Wenn die neuen Folgen kommen, kommt auch die ausführliche Besprechung.

  • „Kalkhofes Mattscheibe rekalked“

Oliver Kalkhofe hat mit seiner Sendung ein neues Zuhause bei Tele 5 gefunden und das ist gut so, denn ehrlich gesagt ist das eine Sendung, die einfach irgendwie immer gesendet werden muss. Auch wenn ich nicht immer einer Meinung mit Kalkhofe sein mag und die erste Sendung beim neuen Sender noch Luft nach oben ließ (warum sind eigentlich die „Hintergrundszenen“ nicht mehr so in der Bewegung geloopt?): Nilz BokelbergSchrottfernsehen darf nicht unkommentiert versendet werden. Irgendwer muss die Scheiße benennen, auch wenn sie offensichtlich ist. Aber es wird ja immer erst alles wahr, was jemand ausspricht. Insofern: Bitte weitermachen. Gerne auch ein bisschen schneller werden, die Eröffnungssendung ließ sich sehr viel Zeit mit den einzelnen Ausschnitten. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Ich bin gespannt wie lange Tele 5 den Atem hält. Aber, und das muss man ja dann auch mal sagen: Schon ganz cool für so einen kleinen Sender, mal so ein bisschen einen auf dicke Hose zu machen. Und wenn auf drei bereits „getestete“ Formate ein neues kommt, dann ist das immer noch ein guter Schnitt. Im Gegensatz zum Rest.

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Nilz Bokelberg (36) ist Moderator, Autor, Netz- und Fernsehjunkie und bloggt unter anderem für unsere Fünf Filmfreunde. Bei Twitter ist Nilz auch.

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Man muss auch an den Dingen dranbleiben, die einem gefallen, liebe Zuschauer. Nilz Bokelberg…

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    UND: die Tele 5 Mediathek ist zwar nicht schu00f6n anzusehen (liegt wohl am Senderdesign), aber sie funktioniert einwandfrei und der Flash-Player ist super-performant.

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