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TV-Kolumne Nilz zappt (42)
von Nilz Bokelberg am 22. Oktober 2012
Alberner Helge, alberner Kurt: Nilz Bokelberg hat in „Helge hat Zeit“ den wahrscheinlich lustigsten TV-Moment 2012 gesehen. „Helge hat Zeit“, und ich muss sagen: Das ist schon mal der allerbeste Titel für eine Talkshow ever. Nun hat Helge Schneider eine neue Sendung im WDR, die, wie betont wurde, nur sporadisch gemacht werden soll. Die erste Folge lief Samstagabend und ich hab’ mir die mal angesehen. ![]() Nein, der Mann im Hintergrund ist nicht Reinhold Beckmann: Helge Schneider in seiner neuen Show "Helge hat Zeit" (Foto: WDR/Oliver Heisch) Das Studio von „Helge hat Zeit“ sieht in etwa so aus, wie man es sich im Kopf von Helge Schneider vorstellt. Viele alte Möbel, die direkt vom Sperrmüll aufgesammelt zu sein scheinen, das Ganze in einer Art Wintergartenkulisse mit einem nächtlichen Gartenpanorama hinter der Scheibe. Vieles steht im Weg. Die Gäste kommen in einem artifiziellen Fahrstuhl an und man ist geneigt, ihm auf den ersten Blick eine gewisse Nähe zu neo Paradise zu unterstellen (da kommen die Gäste auch immer in einem Pseudo-Fahrstuhl an) – erinnert dann aber doch viel mehr an die „Geld oder Liebe“-Drehtür, weil da die Kandidaten und der Moderator auch immer mitten zwischen den Studiopublikumsrängen ankamen, so wie bei Helge auch. Helge kommt also in seiner eigenen Show an und spielt erstmal ein kleines Stück mit seiner Band. Um dann seinen ersten Gast anzukündigen: Sibylle Berg. Der Talk zwischen Schneider und Berg darf getrost als Fernseh-Highlight bezeichnet werden: Es wird mit Freude improvisiert, von beiden Seiten, und der Versuch unternommen, einen klassisch blöden, typischen TV-Talk zu konstruieren, in dem ein Moderator mit einer Autorin über ihr Buch spricht, als ob er es gelesen hätte, in Wirklichkeit aber keinen blassen Schimmer hat. Dann liest Helge noch wahllos irgendwelche Seiten aus dem Buch vor, sogar das Ende. Übrigens der Moment in dem man denkt: Hey, der sollte das Hörbuch einsprechen! Und dann geht Frau Berg. Irgendwie. Irgendwie schade. ![]() Er ist nämlich sein Schlagzeuger: Helge Schneider (r.) musiziert mit seinen Gästen, hier mit Sandra Hüller (Foto: WDR/Oliver Heisch) Danach kommt die Schauspielerin Sandra Hüller, bekannt unter anderem aus Hans-Christian Schmids „Requiem“. Und sofort spürt man ein gewisses Ungleichgewicht. Während sich Berg und Schneider noch auf Augenhöhe zu begegnen schienen, was auch darauf basierte, dass sie sich perfekt aufeinander einlassen konnten, erlebt man jetzt eher den Versuch einer Improvisation. Während Helge eben wie immer der Helge ist und das Improvisieren eher auf eine jazzige Art und Weise angeht, merkt man bei Hüller die ernsthafte Schauspielschulen-Sozialisierung, die ihre Improvisationsfähigkeiten in diesem Rahmen etwas hölzern wirken lässt. Sie joggt Schneider sehr hinterher. Was schade ist, weil es gar nicht so viel Kopf benötigen würde, dran zu bleiben. Dann singt sie noch mit der Band Björks „It´s Oh So Quiet“, was weder Helge noch die Band sonderlich gut zu kennen scheinen und deswegen den Rhythmus ein wenig vergeigen, was Hüller wiederum vollends raus bringt. Die war sehr sympathisch, aber in der Sendung etwas deplatziert. Nach einer Puppennummer und einem Typen, der ein selbsterfundenes und -konstruiertes Instrument vorstellte, das nur einen Ton spielen kann, aber drei Menschen braucht, die es bedienen, kam das absolute Highlight der Sendung: Kurt Krömer.
„Helge hat Zeit“ ist die informationsloseste Talkshow, die ich jemals gesehen habe. Gespräche größtenteils uninteressant und die Fakten darin kann man alle vergessen. Und ist deswegen so herrlich, dass ich auf regelmäßigere Ausstrahlungstermine hoffe. Schon um die Lücke zu füllen, die das Staffelende von Roche und Böhmermann jetzt erstmal hinterlässt. Helge! Hab bitte noch mehr Zeit! ____________________ Ähnliche Artikel Ist die Zeit der Suchmaschinen etwa vorbei? Sind sie schlicht zu gut? Suchkumpel statt… Eine Shoppingtour unseres Motorradmanns Jan Joswig endete mit einer unerwarteten Entdeckung: Im… Charles Bukowski, Blutblasen im Ohr und Vögel unter Maos… Jan Joswig nimmt in seiner Kolumne den ehemaligen italienischen Motorradhersteller Laverda ins… Netzkolumnist Frédéric Valin möchte der Sprachkritik im Internet kein Forum bieten. Den… Ähnliche Galerien Keine passenden Galerien gefunden
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