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TV-Kolumne Nilz zappt (44)
von Nilz Bokelberg am 5. November 2012
Mutiert langsam zu einer Art Fanboy: Nilz Bokelberg in seiner Kolumne, die übrigens nichts mit Hans Zippert zu tun hat, über eine Fernsehwoche voll von diesem Markus Lanz. Ich muss gestehen: Seitdem ich ihn bei Roche und Böhmermann gesehen habe, kann ich den Lanz nicht mehr scheisse finden (schlimm übrigens, dass man von dem mittlerweile als „der Lanz“ spricht, so wie „der Wendler“…uaaah). So guck’ ich also mittlerweile die Woche über seine Talkshow, sicher auch weil das ein perfektes Vorbereitungsprogramm auf mein nächtliches Domian-Gucken ist. Und auch die zweite „Wetten, dass..?“-Folge ging in meinen Augen in Ordnung. Man sollte vielleicht mal diese unglaublich bigotte und lächerliche „Was sollen denn die internationalen Stars von uns denken?“-Diskussion lassen. Es ist ja nicht so, als wenn die da in einer überraschend banalen Show sitzen würden. Da wird man auf einer weltweiten Promotour wohl einige von sehen (wer jemals Sonntags italienisches Fernsehen gesehen hat, weiß was ich meine). Nur in Deutschland soll man sich jetzt schämen, weil Unterhaltung unterhält. Pappnasen. ![]() "Hol' mich bitte einer schnell aus dieser Sendung heraus!": Zwei Tage nach Tom Hanks' Besuch bei "Wetten, dass..?" weiß man, was der Hollywoodstar in Momenten wie dem hier dachte. (Foto: ZDF / Sascha Baumann) Mir geht’s aber um etwas ganz anderes: Die Talkshow von Lanz , sorry, DEM Lanz, hat in der letzten Woche sehr unterhaltsam gezeigt, wie wichtig die Gäste für so ein klassisches Format sind. Am Dienstag waren Jasmin Wagner, Jörg Knör, Fritz Kuhn, Ute Freudenberg und the One and Only Helmut Berger zu Gast. Wer Berger kennt wusste, was passieren würde und wurde natürlich nicht enttäuscht. Der Mann ist als Gast eine Art self-fulfilling prophecy. Der saß da und gab den betrunkenen Onkel, der bei der familiären Weihnachtsfeier die ganze Zeit in der Ecke sitzt und, nachdem die Geschenke ausgepackt wurden, aufsteht und mal so richtig vom Leder zieht. So weit, so erwartbar. Weitaus interessanter waren da durchaus die anderen Gäste. Jasmin Wagner war äußerst irritiert von Berger (sie kannte ihn offenbar nicht) und bestand irgendwann beleidigt darauf, noch mal eingeladen zu werden. Damit sie ihren Talkshow-Senf mal ungestört ablassen kann, weil sie nicht dazu kam die Geschichten fertig zu erzählen, die da sowieso keinen interessiert haben. Das war ein unangenehmer Moment für den Zuschauer. Diese Unsouveranität, weil sie mit einem totalen Alien konfrontiert war. Das war ein wenig bezeichnend für das Problem deutscher Prominenz: Die erwarten keine Talkshow, sondern eine Monologshow, die bitte wiederum höchstens durch solche Nachfragen unterbrochen wird, der Gast möge doch bitte seine beim Vorgespräch rausgehauenen Superstorys erzählen. Aber das schlimmste an dieser Folge war: Weder Berger, noch Blümchen waren das große Fremdscham-Feuerwerk, sondern: Jörg Knör. ![]() "Willst Du jetzt von mir was wissen oder nicht, Markus?": Helmut Berger (Mitte) echauffiert sich über Jörg Knör (r.), der gerade zur Helmut Schmidt-Parodie ausholt (Screenshot) Knörs erklärtes Ziel für den Abend war es anscheinend, als Beispiel im Wikipedia-Artikel über „aufdrängen“ ganz oben genannt zu werden. Bei jedem Satz, jeder Situation, in der er nicht angesprochen oder beteiligt war, lauerte er auf eine Atempause der Erzählenden, um sie mit meist absolut sinnfreien und vor allem unlustigen Anekdoten zu füllen. Und wenn ihm keine unlustige Anekdote einfiel, kam eine seiner berüchtigten Parodien. Udo Lindenberg zum Beispiel. Man hat eigentlich nur noch auf seine Inge Meisel oder eine Helmut Kohl-Parodie gewartet. Traurig. Knör, einst die größte Instanz in puncto Parodien hierzulande, dürstete nach Aufmerksamkeit, schien wie aus der Zeit gefallen und versuchte die Bühne, die Lanz bietet, in voller Breite zu nutzen. Dabei verlor er jedes Augenmaß, fiel auch mal Leuten ins Wort um dann Geschichten zu erzählen, bei denen man vor dem Fernseher nur noch dachte: Ähm, what? Ich mag Bescheidenheit. Ich mag auch Typen, die richtig einen auf dicke Hose machen können. Aber die Backen aufblasen und dann nichts kommen zu lassen: au weia. Das tut weh. Vielleicht sollte Knör mit dem Versuch aufhören, Pocher zu imitieren.
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