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TV-Kolumne Nilz zappt (47)
von Nilz Bokelberg am 26. November 2012
Ironiefreie Krönung der Weinkönigin statt Oscars: Nilz Bokelberg über die unsinnige “Bambi”-Preisverleihung im Speziellen und Awards im Allgemeinen. Am Donnerstagabend war ja “Bambi”-Verleihung. Und da habe ich es genau so gemacht, wie der Großteil der deutschen Zuschauer: Ich habe nicht eingeschaltet. Okay, das lag auch daran , dass Töchterchen unbedingt „The Voice of Germany“ gucken wollte und auch wenn ich die Sendung schlimm schrottig finde, sie halt ihre eine Wunschsendung in der Woche frei wählen darf. Aber warum hätte ich beim “Bambi” auch einschalten sollen? Um der Verleihung eines dämlichen Preises zuzugucken, die in ihrer Steifheit höchstens noch durch Angela Merkels Jubel bei Spielen der Nationalmannschaft überboten werden kann? Der “Bambi” ist für mich sehr spät, nämlich erst letztes Jahr, endgültig gestorben, als Bushido den “Integrations-Bambi” bekommen hat – natürlich nur aus dem Kalkül heraus, dass sich jeder halbwegs normal denkende Mensch volle Kanne darüber aufregen würde. Was muss man sich bei Burda für diesen Coup die Hände gerieben und lachend auf die Schultern geklopft haben. Es ist sicherlich nur noch eine Frage der Zeit, bis frei.wild (deren Sänger ein Ex-Nazi ist) einen Bambi für Zivilcourage oder Heimatliebe kriegen. Oder vielleicht für beides. ![]() So sehen vermeintlich Sieger aus: Alle Preisträger des BAMBI 2012 auf einen Blick. Falls das noch irgendwen interessiert. (Foto: Hubert Burda Media) Man wäre so gerne die Oscars, aber im Gegensatz dazu sind die Bambis natürlich eher die Krönung der Weinkönigin. Man steht sich selber im Weg, hat keinen Humor, von Selbstironie ganz zu schweigen und versucht dann noch recht schmierig über schreckliche Schicksalsschläge Emotionen zu erzeugen, wobei ich hier noch befürchte, dass man sich zusichert das „Richtige“ zu tun und ein wichtiges Zeichen zu setzen – wenn etwa die Schwester des totgeprügelten Jungen vom Alexanderplatz einen Bambi in der Kategorie „Mut“ stellvertretend überreicht bekommt. Und dann wundert man sich, dass niemand mehr einschaltet. Oder dass niemand dran bleibt. Was natürlich nur der Beweis dafür ist, dass die Leute sich nicht mehr jeden Quatsch andrehen lassen, auf dem „mit Promis!“ steht. Eine Gala mit den beliebtesten Persönlichkeiten aus Gala, Bunte und InStyle interessiert niemand mehr, der die Fernbedienung noch selbst bedienen kann. Dazu dann noch die Konkurrenz von Formaten, die Kids wie meine Tochter lieber gucken oder dem „Wer wird Millionär-Promispecial“ und schon schaltet niemand mehr ein, wie in Düsseldorf vergoldete Rehkitze an die Leute überreicht werden, die gerade zufällig in der Gegend sind. Insofern war Hape Kerkelings Besuch der Bambis damals für seine Sendung „Total Normal“ vielleicht eine Vorwegnahme dessen, was heute passiert. Da ist er nämlich irgendwann mit einem Korb voller Fake-Bambis vor die Tür gegangen und hat die unter den wartenden Fans verteilt. Getreu dem Motto: Jeder, der kommt, kriegt auch einen. Aber, ach, ich glaube, das bei weitem schwierigste Genre im Fernsehen sind Preisverleihungen. Erstmal muss man sich natürlich die Frage stellen, warum das überhaupt einen Zuschauer interessieren sollte. Bei den Oscars generiert sich das schon über die Relevanz des Preises. Die Qualität der Verleihung selbst ist dann sehr abhängig vom jeweiligen Moderator. Da bin ich alter Billy Crystal-Fan. Aber okay, spannend ist das schon. Ich bin auch ein großer Fan der MTV Movie Awards, weil der noch halbwegs originelle Kategorien hat und sich nicht so fürchterlich ernst nimmt. Ist eigentlich eher eine große Filmfanparty. Aber auch für so etwas sehe ich hierzulande schwarz.
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