TV-Kolumne
Nilz zappt (50)

Wir gratulieren Nilz Bokelberg mit viel Konfetti und Tamtam zur 50. Ausgabe seiner Fernsehkolumne, sagen “Danke, Nilz!” und räumen nun das Feld für seine Jubiläumsausgabe – und für Introspektive. Denn Nilz hat einen Traum.

Nilz Bokelberg

Das ist der Nilz, der sich für uns (und sich selbst) seit 50 Wochen durch das deutsche Fernsehprogramm zappt. Und kein bisschen älter geworden ist er dabei!

Jubiläum! Seit 50 Wochen schreibe ich nun hier über Fernsehen, über gutes und schlechtes. Über altes und neues. Über sehenswertes und wegguckbares. Warum das alles eigentlich? Und da ich ja auch manchmal selber Fernsehen mache (und das auch noch gerne): Ist das nicht ein wenig nestbeschmutzerisch?

Ein immer wiederkehrender Vorwurf, den man sich als Kritiker anhören darf, ist das allseits beliebte: „Naja, erstmal selber besser machen!“ Das ist natürlich Quatsch, vor allem wenn das unter einer Kritik über, zum Beispiel, „Herr der Ringe“ steht. Dann wird es sogar absurd. Aber dennoch stelle ich mir jedes Mal die Frage: Wie würde ich was eigentlich besser machen? Und vielleicht denkt sich der geneigte Leser auch: Was will der Bokelberg eigentlich machen? Und da das hier meine Kolumne ist und heute Jubiläum, will ich einfach mal über mich schreiben und meine Träume. Mich greifbarer (und dadurch auch angreifbarer) machen. Herunter kommen von meinem hohen Kritiker-Thron, hinunter zu Euch Menschen, die Ihr mit dem Fernsehen leben müsst, das Ihr vorgesetzt bekommt.

Mein großer Traum, im Fernsehen, wäre eine eigene Late Night Show. Nun höre ich auch wieder das laute Gejammer, das Late Night Shows in Deutschland nicht funktionieren, dass die Vergangenheit doch genau das bewiesen hätte, blablabla. Ich glaube aber fest an das Genre und ich glaube, das dafür im deutschen Fernsehen noch Platz ist.

Fangen wir mit den Grundsätzen an: Der Witz einer Late Night Show ist natürlich, dass sie jeden Abend kommt. Das Wochenende kann man ausfallen lassen, aber werktags bitte jeden Abend. Sonst macht das doch auch keinen Sinn. Der Versuch Pocher eine Late Night Show zu geben, die aber nur freitags zu senden, wo die Leute, die den noch sehen wollen, gerade versuchen den Preis für die Flatrate in der „Klapsmühle“ oder dem „Che’Coolala“ wieder reinzusaufen, war auf alle denkbaren Arten unglücklich. Schmidt mit seinen viel zu oft wechselnden Terminen in der ARD war auch kein Wunschkonzert und es wurde eher zum Roulette, ob man ihn nun sehen konnte – oder eben nicht.

Was man von Lanz lernen kann: Interesse an den Gästen zeigen, meinetwegen auch heucheln, aber bei jedem Gast unvorbereitet in den Talk zu gehen und zu fragen, ob die denn schon mal was gemacht hätten, wenn sie gerade da sind um ihr 27. Album zu promoten, ist halt immer so ein bisschen: „Dann rede doch nicht mit denen!“.  Was man von Lanz besser nicht lernt: Lieblingswitze immer wieder bringen (Ehrlich, den mit der Glatze haben wir jetzt alle schon mitbekommen, der muss nicht wiederkehren).

Ich will der deutsche Jimmy Fallon werden

Nilz zapptIch glaube, es gibt einen Platz für eine Late Night Show, die jeden Abend läuft, in der man sich irgendwie für die Gäste interessiert, in der mal bekloppte Einspieler kommen und der Zuschauer das Gefühl hat, freundlich in die Nacht entlassen worden zu sein. Und in der man eine coole Studioband hat, so wie die Roots. Das ist die Sendung, die ich machen will. Das ist mein großer Traum. Ich will der deutsche Jimmy Fallon werden. Und auch wenn ich ins Eröffnungs-Stand-up erst noch reinwachsen müsste, das würde ich mir zutrauen. Und mich für Interview-Gäste interessieren, das hab’ ich schon immer gemacht, das hab’ ich früh gelernt (nach einem für mich etwas peinlichem Fauxpas mit Mark Oh am Anfang meiner Viva-Zeit). Irgendwo da draußen ist der Senderchef, der den Platz und den Mut dazu hat. Der Produzent, der das mit mir machen will. Und der Zuschauer, der das sehen will. Und wenn es so weit ist, dann seid Ihr alle eingeladen, Ehrensache!

Ich meine: Es ist so kurz vor Weihnachten und mein Jubiläumstext. Da wird man doch wohl noch träumen und wünschen dürfen, oder?

Danke fürs Mitlesen, an jeden von Euch. Auf die nächsten 50! Und auf tolles Fernsehen!

____________________
Nilz Bokelberg (36) ist Moderator, Autor, Netz- und Fernsehjunkie und bloggt unter anderem für unsere Fünf Filmfreunde. Bei Twitter ist Nilz auch.

Ähnliche Artikel
 1 2 3 4
Alte Liebe Algerien
Gegen keinen Gegner blamiert sich Deutschland so gerne wie gegen Algerien. Zweimal traf eine…

7 Dinge über public shaming
Was tun, wenn die WM einen Tag Pause macht und keinen Public Viewing ansteht? Einfach Frédéric…

Wheels & Waves: Der Biker als Gesamtkunstwerk
Motorradmann Jan Joswig war in Biarritz an der…

7 Dinge über falsche Voraussagen
Wird Deutschland 2014 Fußball-Weltmeister? Frédéric Valin denkt über Voraussagen nach, lässt…

Von Dönern und Schluckspechten
Die WM steht vor der Tür, doch der Optimismus hält sich bei deutschen Fans in Grenzen. Doch…

Warum gibt es Merci mit Kaffee-Sahne Geschmack?
Hand aufs Herz: Kennt ihr jemanden, der bei…

Ähnliche Galerien
Schlagwörter