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TV-Kolumne Nilz zappt (52)
von Nilz Bokelberg am 31. Dezember 2012
Nostalgie, Halloween-Rache an den Angelsachsen und Ekel Alfred statt Didi: Nilz über seine eigenen Silvestertraditionen und deutsche Sitcoms. Ach, Silvester. Ich muss nach dem Weihnachtsserien-Rant von letzter Woche ausnahmsweise noch mal nostalgisch werden. Auch wenn ich mich nicht gern wiederhole. Immerhin: Lanz kommt im heutigen Text nicht vor! Silvester war für mich immer auch ein Fernsehfest, als ich klein war. Partys spielten damals noch keine große Rolle. Auch meine Eltern waren nicht die großen Partyveranstalter oder –gänger, so dass ich zum Jahreswechsel nicht nur Cola trinken und bis Mitternacht wach bleiben durfte, sondern auch Fernsehen bis zum Umfallen. Das war vor allem deswegen gut und wichtig, weil zum Jahreswechsel immer die Didi-Filme des vorangegangenen Jahres als TV-Premiere im Zweiten um 20:15 Uhr gezeigt wurden. Einer der definitiven Fernsehhöhepunkte des Jahres, den ich auf gar keinen Fall verpassen durfte. Danach kamen noch ein paar Shows oder Galas, die ich alle eher so semi-spannend fand. Und dann erinnere ich mich noch, das um Punkt 12 die ZDF-Ansagerin ein frohes neues Jahr wünschte und irgendwelche Glocken gezeigt wurden. Meine Eltern stießen mit meinen Geschwistern und den paar Gästen bei uns an und dann musste ich schnell raus um Wunderkerzen und „Satelliten“ abzufeuern. Hach, Silvester. ![]() Die Tetzlaffs in gelöster Silvesterlaune (v.l. Elisabeth Wiedemann, Hildegard Krekel, Heinz Schubert und Diether Krebs): "Ein Herz und eine Seele" ist eine gute deutsche Sitcom, findet Nilz. (Bild: SWR/WDR/Hajo Hohl) Es gibt natürlich noch ein paar andere Fernsehtraditionen zum Jahreswechsel. Mein Opa zum Beispiel fiel regelmäßig vor Lachen vom Stuhl, wenn „Dinner for One“ lief. Ein Phänomen, das in den letzten Jahren nun wirklich mehr als ausgiebig durchleuchtet und erklärt wurde. Heutzutage scheint jeder, der das kennt, immer dazu zu sagen: „Das ist aber nur in Deutschland erfolgreich, woanders kennt das keiner!“ Was ein nettes Smalltalk-Kuriosum ist, weil man ja immer dachte, es mit einem englischen Klassiker zu tun zu haben. Ich weiß gar nicht, ob man das mal probehalber den Engländern gezeigt hat. Vielleicht kann das ja im angelsächsischen Raum noch groß und zur Tradition werden? Das wäre dann unsere Retourkutsche für Halloween. Fairer Deal! Eine meiner Lieblingsfernsehtraditionen ist es mittlerweile (weil Didi keine Filme mehr macht und das ZDF keine von ihm mehr zeigt) im WDR die Silvesterfolgen von „Ein Herz und eine Seele“ zu gucken. Bei der Serie muss ich immer wieder staunen. Ich bin ja ein großer “Friends”-Fan. Und “Cheers”. Und “How I met your mother”. Man kann also sagen, dass ich durchaus ein Freund der Sitcom bin. Nun wird seit Jahr und Tag erzählt, dass die Deutschen keine Sitcom können, das sein ein uramerikanisches Genre. Und in der Tat: Wenn man sich Versuche wie „Die Viersteins“ ansieht oder diese 1:1 Al Bundy-Kopie auf deutsch „Hilfe, meine Familie spinnt“ (vom deutschen “IT-Crowd”-Kopieversuch mit Sky Dumont ganz zu schweigen), dann muss man wirklich zu dem Schluss kommen, das wir zwar vieles können und auch durchaus Humor haben, nur das eben Sitcom wirklich nicht unser Genre ist. Dafür scheinen einfach die Autoren zu fehlen. Und vielleicht auch die Darsteller, die vor Publikum das richtige Timing haben, um eine lustige Sendung aufzunehmen. Aber dann guckt man einmal im Jahr Ekel Alfred und kommt zu dem Schluss: Hey! Wir können das ja doch! Zumindest ging es einmal! Wenn man nur einen Autoren hat, der für ein Thema brennt, der sich eine tolle Figur ausdenkt und man das alles mit Schauspielern besetzt, die sich für nix zu blöd sind: dann können die Deutschen auch Sitcom. Und zwar auf höchstem Niveau. Muss man natürlich wollen. Eigentlich absurd das man „Mut“ einfordern muss für so ein beliebtes Genre. Nur weil die halbherzigen Versuche, die zum Scheitern verurteilt waren, auch gescheitert sind. Hach ja.
Guten Rutsch und ein fantastisches neues Jahr! ____________________ Ähnliche Artikel Ach, das erste Moped! Jan Joswig kramt diesmal in den Rappelkisten-Erinnerungen von Menschen.… Kaum schreibt Frédéric Valin keinen Netzaufreger mehr, regt er sich auf. Diesmal über die… Borussia Dortmund hatte ein großes letztes Ziel in dieser Bundesliga-Saison: Die TSG Hoffenheim… Cascada for last! Nilz Bokelberg erhofft sich für Deutschland eine pädagogisch wertvolle… Martin Freund begibt sich auf die Spuren von King Henry VIII. und seiner Vielweiberei. Mit dabei… Kannst du bitte mal nach dem Rechten sehen? Das schaffst du doch mit links! Frédéric Valin… Ähnliche Galerien Keine passenden Galerien gefunden
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