TV-Kolumne
Nilz zappt (57)

Zwei TV-Ereignisse hatten die letzte Woche fest im Griff, liebe Zuschauer. Das unangenehme zuerst: Schauspielerin Katrin Sass dreht frei.

Katrin Sass sass bei Markus Lanz in illustrer Runde mit Karl Dall, Dschungelkönig Peer, dem Ersten und weiteren, nicht in Erinnerung gebliebenen Menschen. Und da hat sie sich mal richtig Luft gemacht, mal so richtig empört. Die Sexismus Debatte nervt sie, man solle sich doch einfach wehren. Aber noch schlimmer für sie, quasi die größte, persönliche Beleidigung die diese Mimin hierzulande ertragen muss, ist die Grimme Preis Nominierung des Dschungelcamps. Und weil gerade sonst niemand zugegen war, hat halt Peer, als Vertreter der Sendung, ihren ganzen Hass abbekommen.

Was oberflächlich ein Rant gegen den Dschungel war, gegen, aus hochkultureller Sicht, schlechtes Fernsehen, war in Wirklichkeit die Entblößung einer Frau, die man wohl nur als schlechten, hasszerfressenen Mensch bezeichnen kann. Die Boshaftigkeit, der unterirdische Spott und Hohn, mit dem sie Peer übergoss, die Wut und der Hass und das Nachäffen, des von ihr so verachteten Jünglings, ließen nur diesen Schluss zu. Hier ist jemand, der sich nicht zu benehmen weiß. Alle verständliche Wut zum Trotz, das war unter aller Sau. Wenn man Kommunikation so aufgibt, dann hat man schon verloren. Oder wie es so schön heisst: Wer immer am lautesten schreit, hat am wenigsten Recht. Ich war auf jeden Fall sehr entsetzt und froh, als die Sendung endlich vorbei war.

Kommen wir zum erfreulichen Event, das auch viel größer und wichtiger und aufregender war: Die goldene Kamera!

Haha, verarscht. Natürlich nicht. Das war eine deutsche Preisverleihung wie nunmal alle deutschen Preisverleihungen und das konnte ich mir einfach nicht ansehen. Aber Sonntag Abend! Superbowl!

Wow, was für eine Show! Und damit meine ich den Sport. Wie das inszeniert ist, der Wahnsinn. Dann hatte man gestern Abend auch noch die spezielle, superhollywoodesque Irrsinnssituation, dass die Trainer der beiden Mannschaften, San Francisco und Baltimore, Brüder sind! So ein Drehbuch kann sich doch nicht mal Spielberg ausdenken! Aber es kam noch besser: Beyoncé hat die Halbzeitshow bestritten und ihren Ruf als momentan absolut perfektester Popstar weiter gefestigt. Wobei: Da sie sich ja nach der Amtsübernahme von Obama Playbackvorwürfen ausgesetzt sah (sie hat da die Hymne als Playback gesungen, das sie ein paar Stunden vorher aufgenommen hatte, weil sie wollte das alles so perfekt wie möglich sei..), wollte sie es nun allen beweisen. Dabei tanzte sie aber so aufwendige Choreos, dass an großes Singen die meiste Zeit kaum zu denken war. Das übernahm deswegen der Backgroundchor. Aber egal. Im letzten Drittel der Show reuniteten sich sogar Destinys Child auf der Bühne! Eine Bühne übrigens, die aussah wie zwei Beyoncé Köpfe die sich ansehen. Super Show, kein Zweifel.

Dann ging das Spiel wieder los, ein paar Minuten und dann: Stromausfall! Kein Stadionlicht mehr, kein Weiterspielen mehr. 36 Minuten hat es gedauert, bis die Leitungen wieder genug Strom liefern konnten. Und dann wurde weitergespielt. Die weit im Rückstand liegenden 49ers schienen das Spiel sogar noch zu drehen! Herzschlagfinale, bis….ich einschlief.

Bei aller Liebe. Irgendwann ist auch mal gut. Um 4 Uhr hab ich die Augen zugemacht. Ich muss mir meine Energien einteilen. Schließlich stehen die Oscars vor der Tür!

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Nilz Bokelberg (36) ist Moderator, Autor, Netz- und Fernsehjunkie und bloggt unter anderem für unsere Fünf Filmfreunde. Bei Twitter ist Nilz auch.

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